Home / Zeitgeschehen / Die Moralkeule? Der Fall Bivsi

Die Moralkeule? Der Fall Bivsi

Eben bin ich über einen Artikel gestolpert, der groß im Focus zu sehen war.

http://www.focus.de/…/flughafen-duesseldorf-bruder-umarmte-…

Nun, worum geht es? Der Artikel berichtet von der Nepalesin Bivsi Rana, 15, die wieder da in Deutschland ist und alle freuen sich. Soweit so gut.

Warum war sie weg? Auskunft gibt der Artikel:

„Die Eltern von Bivsi waren 1998 aus Nepal nach Deutschland gekommen und hatten einen Asylantrag gestellt. Weil sie am Anfang falsche Angaben machten, hatten sie keine Chance auf Anerkennung. In allen Instanzen unterlagen sie.“

Wir halten fest: Die Eltern haben sich entweder geirrt oder sogar geschummelt, indem sie falsche Angaben im Asylantrag machten. Dies geht aus dem Artikel nicht eindeutig hervor, ist aber auch egal. (Das ist so ähnlich wie der Weg, auf dem Griechenland in die EU kam)

Im weiteren Verlauf des Textes erfahren wir, dass Bivsi dann schnell und überraschend, aber immerhin rechtmäßig, abgeschoben wurde, was für alle Mitschüler und Lehrer ein Schock war, obwohl sie vom ungenauen Aufenthaltsstatus wussten. Die Emotionen waren stark, Bivsi weinte, Die Mitschüler geschockt. Bivsi war bestens integriert, sehr nett, ein Lichtblick sozusagen. Schulleiter Ralf Buchtal kommentierte dies so: „Die Klasse war traumatisiert, das braucht kein Mensch“.

Darauf gab es diverse Aktionen von Politikern gegen das Vorgehen. Das Ende vom Lied:
„Bivsi kann nach Deutschland zurückkehren, sie erhält ein Schülervisum. Nach dem Abitur kann sie einen Folgeantrag stellen, sollte sie eine Berufsausbildung machen oder ein Studium aufnehmen wollen. Ihre Eltern dürfen als Begleitung der Minderjährigen mitkommen.“
Der Artikel schließt mit einem emotionalen happy end und den Worten des Grünen-Politiker Felix Banaszak: „Der Fall zeigt: Man kann etwas bewegen, in der Politik, wenn alle zusammenhalten. Man muss sich nicht mit Dingen abfinden, die ungerecht sind.“

Mir persönlich stellen Sie hier mehrere Fragen. Zu allererst: Was ist die Intention des Focus bei diesem Artikel? Volkserziehung? Ich hasse es, wenn die Medien mich erziehen wollen, das ist nicht ihr Job! Ich kann selbst entscheiden, was ich denke.

Der Artikel ist hochemotional verpackt, und man kommt als Leser nur zu dem Schluss: Hier ist große Ungerechtigkeit geschehen, aber alles ist gut ausgegangen, weil sich einige „Gerechte“ eingesetzt haben. Böser Staat. Gute Bürger. Der Artikel nimmt eine Wertung vor, keine neutrale Berichterstattung. Die Aussage ist: Emotion und Menschlichkeit sind wichtiger als rechtsstaatliche Regeln.

Ist das wirklich so? Sehen wir uns die Fakten an: Die Eltern haben keinen Anspruch auf Asyl und werden abgeschoben. Das mag ungerecht erscheinen, befolgt aber den Rahmen der Gesetze. Dabei war das Mädchen immer so nett (Frage am Rande: Was wäre gewesen, wenn sie unausstehlich und weniger gut integriert gewesen wäre?). Was passiert eigentlich, wenn wir Gesetze immer dann außer Kraft setzen, wenn wir es spontan für moralisch richtig halten? Ein Beispiel für „passiert“ kann ich geben: Die Asylkrise der letzten 2 Jahre. Doch das ist eine andere Geschichte. Allgemein gesagt: Handeln wir so, zerbricht der Rechtstaat und alle Sicherheit. Solche Entscheidungen müssen im politischen Prozess neu ausgehandelt und ggf. geändert werden, nicht aber in spontanen Schnellschüssen oder „per ordere mufti“.

Zudem überspitzt formuliert: Würden Sie sich von einem Mediziner behandeln lassen, bei dem herausgekommen ist, dass er nie studiert hat? Würden Sie dann sagen: Na gut, läuft ja trotzdem? Zudem könnte man fragen: Wieviel hat das Ganze den deutschen Staat gekostet? Hat die Familie über Jahre die Sozialkassen geplündert? War sie kriminell? Viele Kommentatoren enden genau hier.

Doch halt: Diese Frage kann man auch anders stellen: Hat die Familie immer fleißig gearbeitet, war sie eine Bereicherung für die Gesellschaft, hat sie die Rentenkassen und Steuersäckel gefüllt und Deutschland einen Nutzen gestiftet?

Genau hierüber schweigt der Focus. Der Leser kann gar keine eigene moralische Entscheidung treffen, weil ihm wichtige Fakten verweigert werden. Ja, verweigert.

Außerdem: Wie kommt man im Jahr 2017 seitens des Staates dazu, eine Abschiebung eines perfekt integrierten Kindes durchzuführen, also immerhin fast 20 Jahre nach Antragstellung? Während wir aus den Medien in unzähligen Artikeln erfahren (wie hier: http://www.focus.de/…/islamist-aus-bremen-europaeischer-ger… oder hier http://www.focus.de/…/islamist-aus-bremen-europaeischer-ger… oder hier http://www.focus.de/…/junger-afghane-drohte-nuernberger-pol…), dass echte Gefährder und Verbrecher nicht abgeschoben werden. Dass Leute, die uns mit dem Tode bedrohen, bleiben dürfen und die Menschen dies auch noch als gute Tat feiern.

Sind hier denn alle verrückt geworden?

Und wie kommt es, dass diese Familie jetzt über Umwege trotz ihrer Verfehlung dennoch wieder hierher kommen darf? Also eine Belohnung bekommt für ggf. sogar betrügerisches Verhalten? Und wie viele Einzelfälle gibt es, für die sich niemand einsetzt?

Vielleicht erwarten Sie eine Antwort von mir auf dieses moralische Dilemma. Ich kann sie an dieser Stelle nicht geben.

Doch würden wir in solcherlei Lagen nicht kommen, wenn wir frühzeitig unsere eigenen Gesetze befolgen würden. Im Augenblick befinden wir uns in einem hemmungslosen moralischen Taumel, der unseren Rechtsstaat erodiert. Es wäre ein Anfang, hier anzusetzen.

Check Also

Gedanken zur Wehrpflicht

Vor kurzem sah ich das Video von Hyperion zum Thema Wehrpflicht. Beim Lesen der Kommentare …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Zur Werkzeugleiste springen