Leben in der Blase

 

Die Party

Heute war ich auf einer Party. Irgendwann standen einige Männer in der Küche des Gastgebers und es kam es zum üblichen Trumpbashing. Auf diese Gelegenheit hatte ich ehrlich gesagt gewartet – Politik würde heute also noch das Küchenthema werden, zu dem ich mich gern äußern würde. Irgendwann kam ich mit dem Gastgeber ins Gespräch. Und ich gebe zu: Ja, diesmal wollte ich es wissen!

 

Ich wollte beißen

Denn der Gastgeber war mir auf einer anderen Party schon mit der Aussage aufgefallen, „er würde sich als Deutscher für Pegida und die AfD schämen“. Heute wollte ich aus ihm herauskitzeln, wieviel er wirklich wußte und wie er argumentieren konnte.

Also stieg ich bei der nächsten Gelegenheit in den aufgebauten Themenkreis „Politik und Flüchtlinge“ ein. Ein paar highlights habe ich unten aufgelistet.

 

Die Themen im Gespräch

Zum einen ging es um den Zustand des Landes. Ich stellte diesen als negativ dar argumentierte mit einem dauerhaften Grundgesetzbruch des Art. 16 a, der von hochrangigen Fachleuten wie dem Ex-Verfassungsrichter di Fabio bestätigt wurde und niemanden interessieren würde. Nicht das Bundesverfassungsgericht, welches einen Antrag Prof. Schachtschneiders auf die Wiederherstellung der Rechtsordnung ohne Begründung ablehnte, und auch nicht die Opposition, die von einem Mißtrauensvotum keinen Gebrauch machte.

Der Gastgeber fragte, was der Inhalt des Art. 16a wäre, und ich erklärte ihm die Drittstaatenregelung und dass jeder dadurch prinzipiell illegal hier wäre und erwähnte auch die Asylanerkennungsquote von 0,7 % in Bezug auf Art. 16 a, Stand Dezember 2017 des BAMF. Antwort: „Weiß ich nicht, ob das so ist.“ Meine Antwort:“Lies es auf dejure.org nach, dass können auch normale Leute wie wir verstehen auch ohne Jurist zu sein.“

Weiter ging es mit mehreren „Klassikern“, wie ich sie nenne. Ich erwähnte dass Flüchtlinge im Schnitt überdurchschnittlich kriminell wären, je nach Nationalität aber verschieden stark hierbei auffielen. Das „alles Quatsch“ konterte ich mit der polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2016 als auch mit dem Fall der toten Mia aus Kandel, dem „Machetenvergewaltiger“ und Maria Ladenburgers Ermordung. Mein Gastgeber erweckte den Eindruck, zumindestens zu Teilen von diesen Fällen nichts gehört zu haben.

Ich erwähnte auch Köln zu Sylvester, und die Antwort war der „Deutsche machen das auch“- Knaller, in der „Münchener-Oktober-Fest-Variante“. Ich konterte mit der statistischen Häufigkeit in Bezug auf die anwesende Männerschaft bei beiden Ereignissen (die ja in Köln weit höher lag). Und damit, dass es in Köln zu Sylvester Schutzzonen für Frauen gab, ein absolutes Novum in Deutschland.

Und das deutsche Vergwaltiger Vergewaltigungen im geheimen in der Familie durchführten und nicht als Rudel in der Öffentlichkeit – was einen deutlichen Sozialisationsunterschied darstellt (der kulturell und religiös begründet ist, aber so tief stieg ich garnicht ein).

 

Die Reaktionen

Mein Gastgeber insistierte, das „Deutsche Hooligans auch schlimm wären und dass diese keine Ausländer wären“. Ich bejahte und forderte, auch diese konsequent mit dem Rechtstsaat zu begegnen. Aber sagte auch, dass es wohl keinen Sinn machen würde, zusätzlich Kriminelle aus dem Ausland ins Land zu holen.

Auch den G20 Gipfel führte ich an, um ein Versagen des Rechtsstaates aufzuzeigen – mein Gastgeber versuchte immer wieder mit der Polizeigewalt in Rußland zu argumentieren und dass unsere Polizei daher nicht so hart vorgehen würde, weil wir die bessere Demokratie wären. Ich entgegnete, hier sei die gesunde Mitte wohl verloren gegangen. Überhaupt schien mir, dass Rußland für ihn der „Vorzeige-Bösewicht“ war.

Beim Thema Gewalt wurde ganz offen von mehreren Gästen die andere Sozialisation der Flüchtlinge angeführt, die zu mehr Gewalt führen würde und dass es verständlich wäre, dass Leute, die Gewalt durch Polizei und Krieg erlitten hätten, ersteinmal begreifen müßten, dass es hier in Deutschland viel sicherer sei. Der Flüchtling als Opfer.

Ich erwiderte, dass dies wohl nicht dazu führen dürfte, dass hier Leute erstochen, vergewaltigt etc. werden und dass ich einfach solche Leute hier nicht haben wollte und man an der Grenze auswählen müßte, wer in das Land hinein dürfe und wer nicht, was ja einer Risikominimierung entspräche.

 

Emotialisierung als Anwehrreflex

Jetzt kam relativ schnell ein verächtlich-ironisches „Jaja alle Ausländer sind schlecht“ und ein „geh doch in die Politik, was du sagst klingt alles ganz schön rechts“. Ich bemühte mich im Anschluß nocheinmal, auf meine differenzierte Argumentation hinzuweisen.

Auch argumentierte ich ökonomisch und erklärte, dass eine Einwanderung völlig unqualifizierter Kräfte dazu führen würde, dass alle Flüchtlinge in das Sozialsystem einwandern würden und jetzt schon ein Drittel der Hartz 4 Empfänger keine Deutschen waren. Mein Gastgeber versuchte mit der Armut der Flüchtlinge zu argumentieren, die alles verkauften, nur um von einem Schlepper hergebracht zu werden und ihr Leben dabei  im Mittelmeer riskierten. Und dass ja in Südeuropa „nichts wäre“, sodass sie weiterwandern müßten. Und dass es uns ja gut gehen würde.

Diese Vorlage gefiel ḿir gut. Ich konterte in der Folge, dass Afrika ja nicht direkt neben Deutschland liegen würde und es sich offensichtlich bei solchen weiten Wanderungsbewegungen um Wirtschaftsmigration handeln würde, und dass es für eine massenhafte Umsiedlung dieser Menschen keine rechtsstaatliche Legitimation gäbe.

 

Des Pudels Kern

Es wurden noch einige andere Argumente getauscht die ich nicht aufgreife, denn das Geschriebene reicht für mich, um zum Kern des Artikel zu kommen. Was nahm ich also an diesem Abend mit nach Hause?

Zum einen merkte ich, dass mein Gastgeber kaum Faktenwissen besaß. Er spulte stattdessen die durch die Medien verteilten „Standardscheinargumente“ eins zu eins ab, als wenn ein brav erzogener Hund Männchen macht, worauf ich bestens vorbereitet war. Nach dem ich alles was er sagte mit Fakten kontern konnte, zog er sich auf die emotionale „ist doch rechts“-Schiene zurück oder verweigerte sich mit dem „weiß ich nicht-Argument“. Eines blieb mir deutlich im Kopf hängen: „Es geht uns gut“.

Ja, genau das ist es. Er hat sein Haus, seinen gutbezahlten Job, seine Autos und seine Familie und seine Freunde, denen es ebenso geht. Er bekommt offensichtlich von der Welt da draußen garnicht so viel mit.

Er wußte nichts von einer PKS 2016 und gestiegener Gewalt. Es kümmerte ihn nicht, dass unser Grundgesetz fortwährend gebrochen wird, wenn er es überhaupt registriert hatte. Wenn er von Schutzzonen für Frauen oder von Polizisten mit Maschinenpistole am Weihnachtsmarkt gehört hatte, so kümmerte es ihn nicht. Und über kulturelle Unterschiede oder gar den Islam hat er sicherlich nie nachgedacht, das wäre ihm wahrscheinlich „rechts“ vorgekommen.

 

Die Blase

Mein Freund lebt in einer Blase. Er lebt in seiner eigenen Welt, zusammen mit seinen eigenen Leuten aus gleicher sozialer Schichtung, die auch nie etwas anderes sehen oder sagen würden als er. Weit weg von da draußen. Und er tut mir leid. Er ist eingelullt von den Medien und der Politik wie Mogli im Würgegriff von Kaa. Und es geht ihm ja gut, er hat keine Not sich zu bewegen, keinen Druck. Er merkt nichts.

 

Aber Blasen platzen irgendwann. Und dann wird er schmerzlich erwachen, doch dann ist es zu spät. Und er hat letztendlich sowieso die Pflicht, sich selbst zu informieren, die Vertantwortung liegt bei ihm selbst, zu erkennen. Die Pflicht, nicht die Verantwortung abzugeben und aus Bequemlichkeit das Denken einzustellen, so wie Kant es formulierte. Ich habe ihm heute versucht, einen Denkanstoß zu geben, eine Chance zu eröffnen, sich selbst zu informieren. Vielleicht denkt er jetzt nach.

Vielleicht wird er mich aber auch verdammen, schockiert sein, wird denken: „Ich wußte garnicht, dass er soweit nach rechts gerückt ist.“ Es ist mir egal. Ich bin meinem Gewissen gefolgt, die Wahrheit auszusprechen, so wie ich sie empfinde. Ich habe meine Schuldigkeit an ihm getan.

Wir können nicht jeden retten.

 

Es ist an ihm, die Farbe der Pille zu wählen. Rot oder blau.

 

Warum sage ich, was ich denke? Deshalb: hier und hier

Nachtrag: Ein Beitrag der die Situation brutal, vulgär und deprimierend zusammenfasst findet sich bei Reaktionär Doe