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Der Korridor des Sagbaren, ein weißer Tiger und ein weißer Würfel und wie alles zusammenhängt – Erfahrungsbericht eines Lehrers Teil III

Heute war ich bei einer pädagogischen Fortbildung zugegen. In einem Abschnitt des Tages ging es darum, mit Hilfe der neuen Erkenntnisse Lernsituationen für Schüler zu gestalten. Ich bot an, eine meiner Fallstudien zum Thema Marketing vorzulegen, um diese in offener Runde zu optimieren.

In einem Abschnitt hatte ich das Foto eines Scheichs mit einem weißen Tiger eingeblendet, der einen typischen Kunden darstellen sollte. Die Erkenntnis sollte sein: Wer einen weißen Tiger besitzt und Scheich ist, dem wird es auf das Besondere, das Teure, das Exklusive ankommen, nicht auf Rabatte und mäßige Qualität der Ware. Das versuchte ich den Fortbildungsteilnehmern nahe zu bringen und ließ sie selbst das Bild interpretieren.

Ich hörte schon seltsames Gemurmel aus den hinteren Reihen. Ich sinnierte: „Vielleicht sollte ich noch die Aufgabe hinzufügen charakterisieren Sie den Kunden…“ Eine Kollegin sagte fast zeitgleich: „Zu dem Scheich kann ich zur Geschäftsverhandlung aber keine Frau schicken, ich habe da auch selbst so Erfahrungen…“

Sie wurde abrupt gestoppt.

Eine andere Kollegin echauffierte sich, „dies wäre purer Rassismus, man könne und dürfe anhand eines Bildes nicht diesen Menschen beurteilen, charakterisieren anhand des Bildes ginge ja wohl garnicht, nur wegen seiner Hautfarbe hätte man Vorurteile, und überhaupt, woher sollte man denn wissen dass der Mann da der Scheich wäre, es könnte ja auch ein Angestellter sein.“

Ich sagte süffisant: „Weil es über dem Bild steht.“

Es wurde weiter zwischen den Kollegen diskutiert, der Betriebsrat pflichtete der „Anklägerin“ bei, es ging hitzig zu, ich war wie überfahren und rollte nur mit den Augen. Die Dame, welche geäußert hatte, dass man keine Frauen in die Geschäftsverhandlung mit dem Scheich schicken könne, machte dann freundlich lächelnd Männchen und sagte „Ich bin ja keine Rassistin“. Da war er wieder, der deutsche Pawlowsche Hund. Die Inquisition hatte gesiegt.

Irgendwann reichte es mir, als das Thema „böse Vorurteile“ wieder aufgetischt wurde. Ich erwiderte mit erkennbar genervter Art, dass Vorurteile nichts Negatives wären, sondern nur die Prognose für neue unbekannte Situationen auf Basis unserer bisherigen Erfahrungen darstellen würden und dass ich diese Aussage für mindestens falsch erachten würde.

Die Fortbildungsleiterin, die erkannte, wie die Diskussion gerade aus dem Ruder lief, brach an dieser Stelle freundlich ab und wir durften eine kurze Pause einlegen.

Ich verließ den Raum, war emotionalisiert und dachte nach. Mir wurde klar:

Diese zwei Rassismus!!!-klagenden Personen taten, was sie und andere Linke immer tun. Sie oktroyierten ihr Weltbild allen anderen, bestimmten mit der Rassismuskeule den Diskurs, kriminalisierten auf sozialer Ebene andere Meinungen und versuchten, den Korridor des Sagbaren einzuengen.

Und taten es geschickt, indem sie nicht sagten „du bist rassistisch“, sondern „das ist Rassismus“. Somit lag kein direkter persönlicher Angriff vor, aber jeder konnte die schwebende Nazikeule an der Decke des Raumes erkennen, die sich jederzeit herunterstürzen konnte.

Und die Ankläger hatten Erfolg. Die meisten Teilnehmer wollten nichts Unfreundliches äußern oder wagten es nicht, auch wenn man sehen konnte, dass manche das Ganze für ziemlich dämlich hielten, anderen war es vielleicht egal. Besagte stigmatisierte Dame hatte ja schon den Kniefall absolviert. (ich möchte übrigens betonen, dass ich die Dame mit meiner Beschreibung nicht schlecht machen möchte, sie hat meinen vollen Respekt)

Und ich wusste, dass genau dies der Grund ist, warum es in diesem Land so läuft, wie es läuft. Und dies wollte ich eigentlich nicht hinnehmen. Ich grübelte.

Nun kam es am Ende zu einer feedback-Runde, bei der jeder einen weißen Würfel werfen mußte. Jeder Zahl war ein Kontext zugeordnet, den ein Teilnehmer füllen sollte. Würfelte man eine 1, sollte man äußern, was man super fand, eine 6 war ein Joker, bei dem man frei sprechen konnte etc..

Und bei einer 3 stand auf der flipchart: Was mir nicht gefallen hat.

Die „rassistische Kollegin“ saß neben ihr und würfelte eine 3. Sie druckste herum und sagte, ihr fiele da so jetzt nichts ein, aber ich konnte ihr ansehen, dass ihr sehr wohl etwas nicht gefallen hatte. Wie ein scheues Reh lachte sie leicht und sagte dabei, sie könne ja noch einmal würfeln. Sie würfelte noch eine 3. Ich sagte zu ihr „das ist Schicksal“. Aber sie ließ sich zu keiner Aussage verleiten.

Ich würfelte. Eine 3. Die dritte in Folge. Alea jacta est, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte mich entschieden.

Ich war nicht bereit, besagten „Anklägern“ den Raum des Sagbaren zu überlassen. Ich war nicht bereit, die Diktatur des Diskurses hinzunehmen. Ich wollte Raum zurückerobern.

Ich atmete tief durch und erklärte dann, dass ich mich sehr geärgert hätte über den Rassismusvorwurf und es persönlich nehmen würde, dass ich erwarten würde dass Kollegen, dies sich konstruktiv und sachlich einbrächten, nicht so behandelt würden und ich bei der nächsten Fortbildung dieses Verhalten nicht noch einmal sehen wollte. Betretenes Schweigen.

Die Inquisition fing an zu rudern. „Es wäre ja nicht persönlich gemeint gewesen, sie hätten ja nicht mich gemeint, aber allgemein dürfe man das nicht, es wäre den Schülern ja beizubringen dass…, es wäre je gesellschaftlich bla bla bla.“

Ich erwiderte hart: „ Nein, das ist ein verklemmtes Weltbild, und kommt das noch einmal vor, werde ich entsprechend reagieren.“

Die besagten Kollegen nahmen diese harten Worte emotionslos hin und fuhren fort, ihre Phrasen zu dreschen. Für mich war die Sache damit erledigt.

Ich wär immernoch wütend, aber fühlte mich gut. Warum?

Ich glaube, ich habe heute den Korridor des Sagbaren für einen kleinen Augenblick an einer winzig kleinen Stelle zurückerobert. Ich habe denen, die es gewöhnt sind, die öffentliche Meinung zu bestimmen, ihre Grenzen aufgezeigt. Bhäm. In your face.

Und den anderen gezeigt, dass es nicht selbstverständlich ist, die Rassimsuskeule hinzunehmen. Den Menschen hoffentlich Mut gemacht, weil ich gezeigt habe, dass sich jemand wehrt.

Und das kann jeder von uns. Jeden Tag. Überall.

Seid der Würfel. Und der Tiger.

 

 

Wer weitere Erfahrungsberichte eines Lehrers lesen möchte, schaue hier oder hier. Ein paar Worte zu unserer Lethargie finden sich hier.

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6 comments

  1. Lieber Autor,

    vielen herzlichen Dank wieder einmal für diesen Beitrag! Ich kannte den Vorfall ja schon und habe gehofft, dass du ihn niederschreibst. Ich habe bereits begonnen, ihn als Fallstudie aus der Realität weiterzuleiten.

    S.

  2. Das Argument schlechthin, dass wie ein Schild vor sich hergetragen wird. Du bist Rassist! Wie ein Papagai der nur ein Wort kennt.

  3. Martina Bergmann

    Genial, absolut genial .
    Aber traurig zugleich . Wie ein Abszess geistert Hitler und sein wohl tatsächliches Nazigefolge ( denn wer benutzt das Wort ‚ Nazi‘ oder ‚ Hitler‘ wohl am meisten?) durchs einst geliebte Vaterland?
    Wer ist , nein war dieser wie ein Wurm zerfressende , implantierende ‚ Zerstörer‘?
    Unbillig, ja gar anklagend wird mimosenhaftem jede Denkfaser der Realität mit dem Rasenmäher des 68er Denksportes und deren ältlichen , immer alles besser wissenden und zugleich ( der Natur kann man da nicht entfliehen) aussterbenden Spezis abgegrast .
    ‚ Denken in der Schine‘ , Wissen abrufbar , wie das Diktat der Verkehrsschilder. STOP! , oder eine Ampel: Jetzt darfst du , aber na klar : nur in eine Richtung.
    Es ist nicht mal mehr eine Denkfabrik, Nein, ich würde es eher eine Meinungsfabrik nennen.
    Mein Rektor und gleichsam Geschichtslehrer dröhnte damals immer sein :“ WARUM“ durch den Raum. Denken sollten wir. Und wehe dem, der keine Antwort, keine Begründung fand.
    Suchen nach Ursachen ist 2018 verpönt . Aussprechen von nachweisbareren Tatsachen, also dem Istzustand undenkbar.
    Andere Meinung? Du bist ein Nazi. Mindestens.
    Zerstörbar.
    Endlich können die Deutschen wieder zerstören. Ist aber nicht eben das Rassismus?
    Ein ‚ Neuer Rassismus ‚ des Ausgrenzens?
    Man müsste ihn anklagen, genau diesen Rassismus , diesen neuen Wahn.

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