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Der böse Wolf – Verrecken

Er verläßt das Rudel

 

Der Hügel

Mein Fell flattert im Wind, als ich die winterliche Hügelkuppe erreiche. Die Kälte schneidet.

Ich kann sie jetzt wittern. Und ich kann sie auch sehen. Ihre Flinten blitzen, als sie durch den Wald reiten, um auf die Jagd zu gehen. Jagd auf uns. Jagd auf das Rudel.

Die Wölfe auf der anderen Seite des Hügels sind weit gelaufen und müde. Hungrig. Verzweifelt. Seit Jahren laufen sie ihrem Traum nach, der ihnen so viel verspricht. Futter, Ruhe ein sicherer Bau. Junge Welpen. In Frieden leben.

 

Diese Narren.

Wie oft konnten sie die Zeichen sehen, direkt vor ihren Augen? Wie oft konnte man die Feinde wittern?

Wie oft fanden wir tote Körper am Wegesrand? Wie oft kehrten verletzte Wölfe zu uns zurück? Wie viele sind verschwunden?

 

Anfangs war mein Pflichtgefühl als Späher stark, für sie da zu sein. Ihnen zu helfen, Ihnen zu sagen, was ich gesehen habe. Ausgelacht haben sie mich. Fortgejagt. Gebissen. Und trotzdem kehrte ich immer wieder zurück. Versuchte es wieder und wieder, ihnen zu erklären, was die Zukunft bringt.

 

Bis jetzt.

Die Wahrheit ist, sie wollen die Wirklichkeit nicht sehen, weil sie alles, was sie gelernt haben, hinterfragen müßten. Sie selbstständig denken und handeln müßten ohne die Sicherheit des Traumes zu genießen. Ja, das ist mühevoll. Und erfordert den Mut, selbst aktiv zu werden.

 

Feiglinge.

Es ist viel einfacher sich erzählen zu lassen, was richtig ist, statt sich selbst zu bemühen. Verlockend, das gelobte Land vor Augen. Der Nektar der Lüge schmeckt süß. Nein, sie wollen die Wahrheit nicht sehen. Ich erkenne, dass es vergebens ist, sich wieder und wieder eine blutige Schnauze zu holen. Auch wenn sie mein Rudel sind – nicht ich kann sie retten, nur sie sich selbst.

Ich will nicht mit ihnen untergehen. Nicht meine eigenen Welpen opfern. Wohl habe ich meine Pflicht getan. Aber ihre Ignoranz und Selbstverliebtheit sind zu groß, um ihnen zu helfen. Sie wollen alles genauso, wie es passiert.

 

Die Wut brennt

Ja, ich trage Zorn in mir. Ihre Dummheit macht mich krank. Haß steigt in mir empor wie eine brandende Welle. Mehr noch über sie und ihre alles verleugnende Art, als über den Verrat des Alphas. Sie lassen sich so bereitwillig blenden. Aber ich kann den Alpha nicht besiegen.

Doch jeder ist seines Glückes Schmied. Auch sie hätten auf die Hügelkuppe klettern können wie ich. Hätten die Augen öffnen können, die Nase in den Wind halten. Was ich tat, war kein Hexenwerk, jeder von Ihnen konnte diese Entscheidung genauso treffen wie ich. Jeder war frei.

 

Es ist Zeit, mich von ihnen abzuwenden. Ich gehe fort an einen anderen Ort.

Ich lasse sie alle

Verrecken.

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