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Der Zug nimmt Fahrt auf – die Anwendung der DSGVO und was Sie damit zu tun haben

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Die Datenschutzschulung

Heute saß ich in der Datenschutzschulung meines Arbeitgebers. Ich war zur DSGVO bereits gut informiert und hatte die großen potenziellen Gefahren schon vor Monaten recherchiert (siehe auch meine anderen Artikel zum Thema).

Ganz anders als die Kollegen.

Das schöne ist: Was vor Monaten noch Theorie war, wird jetzt per Anweisung des Arbeitgebers faktische Realität. Denn jede Firma, die keine empfindliche Geldbuße erhalten will, muss sich des Themas annehmen.

 

Des Pudels Kern

Kommen wir zu ein paar Leckerbissen aus meiner Schulung. Alles was ich hier schreibe, wird von meiner Firma so gehandhabt oder verlangt – da wir extra eine Datenschutzbeauftragte für das Thema eingestellt haben, nehme ich erst einmal an, dass diese Regeln von meiner Firma unter Prüfung der Rechtsachlage sinnvoll erarbeitet wurden. Schließlich sind die Strafen hart – in der DSGVO sind Bußgelder bis zu 20 Mio € oder 4% des weltweiten Jahresumsatzes fixiert. Aber wer

 

Grundsätzlich gilt:

Das Erfassen, Speichern und Verarbeiten von personenbezogenen Daten ist grundsätzlich verboten, es sei denn,

    • der Gesetzgeber sieht es ausdrücklich vor,
    • der Betroffene hat sein ausdrückliches Einverständnis erklärt,
    • es ist zur Erfüllung eines eingegangenen Vertrages notwendig

 

Personenbezogene Daten sind dabei Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse, also Informationen, die auf eine bestimmte oder bestimmbare natürliche Person Bezug nehmen oder die sich auf eine Person zurückführen lassen. Beispiele aus der Praxis sind:

    • Name, Alter, Geburtsort
    • Kundendaten, Bankdaten
    • Physische Merkmale (Geschlecht, Haut-, Haarfarbe)
    • Werturteile (Schul-, Arbeitszeugnis)
    • Sensible Daten (besonderer Schutz)
      • Informationen über den Gesundheitszustand
      • Angaben über Herkunft und ethnische Herkunft
      • Politische, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen

 

Was bedeutet dies in der Praxis?

Im täglichen Geschäftsleben betrifft diese Gesetzgebung ein Unmenge an Fällen, an die man im ersten Moment oftmals nicht im Ansatz denkt.

 

Beispiel 1: Sie machen ein Foto von den Fingern ihrer Schüler nach einer Exkursion, um einen Artikel für ihre homepage zu schreiben, aber den Formularaufwand zu umgehen. Doch weit gefehlt:

Theoretisch könnte man von den Fingern ausgehend die Personen identifizieren – der Arbeitgeber verlangt daher von jedem Schüler ein unterschriebenes Formular, das in der Zentrale unter ganz bestimmten Regeln eingereicht werden muss. Leider sind nicht alle Schüler immer anwesend. So kann sich eine solcher Prozess auch schonmal bei Krankheit von Personen 2-3 Wochen hinziehen.

Sie wollen einen aktuellen Artikel als Werbung für Ihren Arbeitgeber? Schade. Mein Tipp: Knipsen Sie einen Baum.

 

Beispiel 2: Sie wollen in der Schule ihrem Schüler zum Geburtstag gratulieren? Dann geben Sie ja persönliche Daten, nämlich sein Geburtsdatum preis. Also persönliche Daten. Hat der Schüler Ihnen das eigentlich erlaubt? So geht das nicht!

 

Beispiel 3: Sie haben der Einfachheit halber eine Whats app – Gruppe mit ihren Schülern gegründet, damit sie als Lehrer schnell absagen können, wenn sie einmal verhindert sind. Oder um den Schüler als guten Service zu den Fachthemen des Unterrichts auch mal den ein oder anderen Zeitungsartikel zukommen zu lassen, um den Unterricht zu bereichern?

Das geht so nicht, sie speichern ja die persönlichen Daten der Schüler! Meine Firma hat das einfachmal sicherheitshalber untersagt. Nur email ist erlaubt. Ist angeblich sicherer als ein Messenger. Aha.

 

Beispiel 4: Sie wollen zu Hause noch ein paar Überstunden für die Schüler machen und auf ihrem privaten PC ein paar Klausuren korrigieren und die Noten erarbeiten und eintragen, um diese dann morgen mit zur Arbeit zu nehmen. Was weg ist, ist weg. Die Schüler freuen sich ja, wenn es schnell geht.

Moment. Dann haben Sie ja private Daten von der Firma und den Schülern in Ihre private Sphäre übertragen, ja auf ihrem PC gespeichert. Das ist meiner Firma zu gewagt. Vielleicht ist das übertrieben? Kann sein. Aber meine Firma geht da kein Risiko ein.

Wirre Beispiele gibt es da noch einige mehr. Aber ich denke es reicht an dieser Stelle. Sie haben das Grundsätzliche wohl mitgeschnitten.

 

Denunziation als Option

Naja, vielleicht würde es ja keiner merken denken Sie. Allerdings gibt es da eine Meldepflicht, innerhalb von 72 h muss ein Datenverlust bzw. ein Verstoß an die zuständige Meldebehörde weitergegeben werden.

Ihnen ist Ihr USB-Stick aus der Hose gefallen? Der Laptop gestohlen worden? Sie haben ihren Rechner offen stehen gelassen und er war zu diesem Zeitpunkt entsperrt – irgendwer hat die Chance genutzt und ein paar Daten abgezweigt?

Melden Sie sich schnell bei Ihrem Vorgesetzten oder den Datenschutzbeauftragten der Firma, sonst droht in meiner Firma Abmahnung oder Kündigung. Denn die verspätete Bekanntgabe des Verstoßes wird auch bestraft.

 

Achja: Bei Verdacht auf Verstöße soll man den Vorgesetzten und/oder den Datenschutzbeauftragten informieren. Ich habe da eine Kollegin, die mag mich nicht. Ich hoffe sie macht mir keine Schwierigkeiten, wenn ich mal vergesse, das Klassenbuch in den Stahlschrank einzuschließen. Und der Verdacht reicht ja schon. Die Abmahnanwälte freuen sich auf solche Gelegenheiten – das bringt schnelles Geld.

Die zur Meldung verpflichtete Firma wird übrigens anschließend von staatlicher Seite öffentlich gemacht, wenn ich das heute richtig verstanden habe. Und ich dachte der Pranger wäre abgeschafft. Die Menscheit dreht sich im Kreis.

 

Das Grundproblem sind Sie

Ich nehme an, Sie hatten keine Ahnung von diesen Dingen? Und wußten auch nicht, wie man diese DSGVO als Staat missbrauchen könnte? Ihnen war auch nicht klar, dass der kleinste Notizzettel bei Ihnen zu Hause z.B. mit persönlichen Daten von Schülern, sie quasi kriminalisiert? Oder Sie hatten am Thema schlichtweg kein Interesse?

Und bei the way – ich gehe nicht davon aus dass Sie die PKS 2017 oder den UN-Migrationspakt gelesen haben, oder?

 

Das ist Ihr erstes ernstes Problem: Sie wissen zu wenig. Obwohl Sie Internet haben. Und es nicht so sein müßte. Und obwohl Sie so unfassbar viele Möglichkeiten haben wie social media, freie Presse, email, handy, sind sie in Relation zu den jeweils vorliegenden Möglichkeiten schlechter informiert als die Leute 1933. Warum eigentlich?

 

Das führt mich zu Problem Nr. 2: Sie bewegen sich nicht eigenständig und unaufgefordert. Sie haben vergessen, dass Demokratie kein verschenkter Zustand, sondern ein Prozess des aktiven Bemühens und permanenten Auskämpfens ist. Sie müssen sich anstrengen, jeden Tag, um auf dem Laufenden zu bleiben. Selbst recherchieren. Prüfen. Vergleichen. Aktiv werden. Demokratie mitgestalten. Demokratie ist wie kochendes Wasser – nur wenn man es ständig erwärmt, kann man damit kochen.

Sie müssen sich medial emanzipieren und erkennen, dass ihre Verantwortung gegenüber ihrer Demokratie und ihrer eigenen Familie nicht damit endet, abends die Tagesschau zu sehen. Und Widerstand leisten, wenn die Diktatur entsteht. Dazu müßten Sie aber erst einmal Problem 1 lösen.

 

Drittes: Selbst wenn Sie doch noch ein Gefühl der Ahnung oder eine tatsächliche Erkenntnis erreicht, so tun sie nichts, leisten keinen Widerstand, bleiben passiv. Denn wenn dies nicht so wäre, wären jeden Tag die Straßen Deutschlands mit wütenden Demonstranten verstopft.

Aber es passiert nichts. Ein Volk schlummert seelig.

Fragen Sie sich selbst: Hätte es mit Ihnen und ihren Freunden zur friedlichen Revolution in der Ex-DDR gereicht? Oder hätten sie das Ganze zu Hause auf dem Sofa verpasst?

 

Und das vierte Problem: Selbst wenn Sie einzelne Teile des Puzzles erkennen – das vernetzte Denken, der Blick für den Gesamtzusammenhang fehlt Ihnen. Nicht dass ich hier der Schlauste wäre – aber ich bemühe mich wenigstens.

Wie entstand die Flüchtlingskrise? Was steht in Artikel 16a GG? Und was steht im UN-Migrationspakt zusammen? Und was ist eine Zwangshypothek? Und was steht sonst noch in der DSGVO? Was hat das jetzt wieder mit youtube zu tun? Und zum Henker – wie hängt das alles zusammen? Und was hat das mit Ihnen zu tun?

Sie wissen es nicht?

 

Sie mögen so gar nicht, wie ich mit ihnen spreche?

Mag sein ich klinge arrogant. Aber ich bin eben auch verzweifelt, weil ich glaube, die Dinge klar vor mir zu sehen und festzustellen, dass alle anderen ihre Augen fest geschlossen halten.

Ich habe Unrecht? Ja bitte, widerlegen sie mich mit Daten und Fakten – ich würde mich freuen, wenn Sie es versuchen, selbst wenn ich dann Unrecht hätte. Dann hätten wir echte Bewegung und Eigenverantwortung ins Rennen geschickt. Glauben sie doch bitte nicht ständig einfach so, was in der Zeitung steht oder im Fernsehen kommt.

 

Meine Bitte an Sie:

Lassen Sie Netflix heute einmal aus und googeln sie abseits der mainstream-Medien. Versuchen Sie doch wenigstens eine meiner Fragen zu beantworten. Und dann noch eine Zweite. Oder mich als Spinner zu wiederlegen. Als verdammten Verschwörunngstheoretiker. Gewinnen Sie Ihre eigene Informationshoheit wieder.

 

Ihre Kinder werden es Ihnen irgendwann danken.

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