Aus dem Alltag eines Lehrers – Erfahrungsbericht Teil V

 

Gestern war ich mal wieder in einer Schule zu Gast.

Ich beriet Schüler der 10. Und manchmal 9. Klasse der Real- und auch Hauptschule wie üblich zu den verfügbaren Ausbildungen meines Betriebes.

Hierzu hatte ich ein paar Fragen vorbereitet, die zeigen sollten, welche typischen Inhalte man in einer kaufmännischen Ausbildung erlernt. Die Schüler waren gefordert, die Fragen im Wettbewerb miteinander zu beantworten. Zudem erklärte ich die Inhalte verschiedener Ausbildungen.

 

Positive Aspekte

Positiv war, dass ich eigentlich nur freundliche und relativ höfliche Schüler hatte. Nicht dass irgendwer guten Morgen gesagt hätte, aber wenigstens sprachen Sie ganze Sätze. Das mag furchtbar ironisch klingen, aber ich war schon an Schulen wo die Schüler an meinen Tisch kamen und „Metall“ sagten. Sie meinten damit, sie würden sich für einen Ausbildungsberuf in der Metallbranche interessieren.

Gut, dass sind Einzelfälle. Aber insgesamt ist ein höfliches „guten Morgen“ im Schnitt eben nicht mehr der Standard. Ist halt so. Und sich auf einer Ausbildungsplatzmesse bei Firmen sich gut anzuziehen, auch nicht. Die wenigsten waren gut gekleidet, Jogginghosen gehören heute trotz anderslautender Ansage der Schule zum Standard.

Ich will positiv weiterschreiben. Die Schüler waren tendenziell interessiert, wenn auch zu Teilen sehr schüchtern und wortkarg. Sie bemühten sich auch, meine Fragen zu beantworten. Die Leute, die ich – Verzeihung – als typische Vollas… bezeichnen würde kamen nicht zu mir, waren aber präsent.

 

Ein paar Fragen gefällig?

Nun kommen ich dazu, was heutzutage im Durchschnitt an Leistungsniveau vorhanden ist. Ich denke, dass ich an die 50 Schüler bei mir hatte. Gut, das entspricht noch keiner Normalverteilung, aber ok.

Ich startete mit einfachen Fragen:

 

Nennen Sie mir 4 Länder, in denen Spanisch als Muttersprache gesprochen wird. Es konnte niemand beantworten.

Die gleiche Frage erging für englischsprachige Länder. Die wenigsten waren fähig (ich denke 20%), diese Aufgabe zu lösen. Fast alle Schüler behalfen sich, wenn, mit Amerika (und meinten die USA) und Kanada, aber niemand konnte mir Wales oder Schottland nennen. Niemand! Oft hörte ich auch New York oder andere Städtenamen.

 

Was die EZB, Skonto oder Korrespondenz ist weiß auch niemand, aber das ist ok. Dass die Mehrwertsteuer, wenn sie sie überhaupt kannten, 19% beträgt, wußten etwa 10%.

 

Aber folgendes schockiert mich.

Ich denke etwa 4 der 50 Schüler konnten, teilweise nur mit Hilfe, diese Aufgabe lösen, gleiches gilt für die Bruchrechenaufgabe im Text.

Wieviel sind 5% von 20.000 €? Da kommen auch mal antworten wie 40.000 oder 4000. Ich habe dann geholfen, und sagte 100% wären 20.000 und man solle durch 100 teilen.

Wer nun denkt, jetzt wäre der Groschen gefallen, irrt. Ich bekam Antworten wie 2.000 nicht nur einmal. Eine einzige Schülerin gab mir die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Eine! Niemand wußte, dass 20.000 geteilt durch 100 bedeutet, die letzten zwei Nullen abzustreichen. Es dauerte immer Minuten, 20.000 durch 100 zu teilen, niemand sagte „einfach, sind 200“.

Doch das war nur die Hälfte der Aufgabe. Auch nach Hilfe und dem Hinweis, man müßte zur Lösung nun 200 mit 5 Mal nehmen, kam mehr als einmal 10.000. Die wenigsten waren fähig, 5 x 200 auszurechnen. Eine einzige Schülerin hatte eine Erleuchtung und sagte: „das ist ja Dreisatz!“. Herzlichen Glückwunsch Mädel, du hast eine Chance.

 

Die nächste Aufgabe war ein Viertel mal ein Achtel. Ergibt ein 1/32. Der Strauß an Antworten war enorm. 2/4 zum Beispiel. Oder 1/16.

Hier fehlen also elementare geographische und mathematische Kenntnisse. Wie soll jemand dieser Schüler eine kaufmännische Ausbildung machen? Da fange ich als Ausbildungsbetrieb ja bei 0 an!

 

Davon abgesehen dass meiner Erfahrung nach allerhöchstens 50% der Schüler fehlerfrei schreiben können (meiner Ansicht nach sind 70 Prozent realistischer) und eine weit höhere Unselbstständigkeit aufweisen, als meine Generation zu Schulzeiten. Glaube ich jedenfalls.

 

Will ich zuviel?

Erwarte ich zuviel? Das sind Zehntklässler, die sind in der Pubertät. Ja, vielleicht. Vielleicht würde es aber auch helfen, Freitags nicht hüpfen zu gehen und Plakate in der Schule mit einfachen mathematischen Grundregeln oder deutscher Grammatik aufzuhängen. Wäre doch mal eine Idee.

Aber was mußte ich statt dessen sehen?

Pegida ist Nazi

Und in groß

Nazi Nazi Nazi Naaaazi

Richtig oder Sozialismus?

Dazu habe ich ja eine ganz eigene Ansicht (siehe am Ende des Textes)

Ob die Fotographierten bezahlt wurden?

Man mag da anderer Ansicht sein als ich, aber ich sage mal meien Meinung: Gut, Indoktrination geht halt immer. Beim gezeigten Plakat wird manipulativ die Pegida mit den Nazis verbunden. Andere Plakate waren vielleicht fairer, spannten aber immer ein festes framing für die Begriffe auf.

Wenigstens achtet man auf sauberkeit – ein Schelm der Böses dabei denkt.

Kulturelle Kerne

 

Am Ende wissen sie zwar nicht wie man rechnet. Aber sie wissen, was man zu denken hat.

Ist ja auch was.

Fröhlich bleiben!

 

Teil IV meiner Serie finden Sie hier.

das Thema Stolz ist hier bearbeitet.