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Der Vorwurf der Spendenbetteleiabzocke – eine kurze ökonomische Analyse

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Der Vorwurf der Unredlichkeit

Im – ich nenne es mal als Annäherung das patriotische Lager – besteht eine dauerhafte Fehde zwischen jenen, die nach Spenden für Ihre Videos oder Arbeit fragen und solchen, die dies als unseriöse Abzockerei, Bettelei und unethischen Schritt sehen, weil er Idealismus mit Geld verbindet.

Ich möchte dies einmal ökonomisch aus Sicht des Konsumenten analysieren.

Nehmen wir 2 Fälle an.

 

Fall A „Welt“ „Bild“ etc.

Fall A beschreibt eine online-Zeitung, bei der der Konsument für Extra-Artikel die er lesen will zahlen muss. Sonst kann er nur den teaser lesen, nicht aber das ganze Werk. Zum Beispiel kostet bei der Welt das sogenannte „Welt-Plus“ 9,99 im Monat. Ähnlich verhält es sich beim „Bild-Plus-Abo“ und anderen. Es existieren auch Zeitungen, die pro Artikel einen Betrag verlangen. Oder nehmen wir an, ich wollte morgens am Kiosk eine Zeitung kaufen wollen.

 

Fall B „unblogd“ oder andere

Hier wird ein content online, z.B. als Artikel oder Video bereitgestellt und ist von Beginn an frei und vollumfänglich zugänglich. Der Anbieter bittet um freiwillige Spenden für die geleistete Arbeit.

Für Fall B gilt in manchen Kreisen, dass dies eine ungerechtfertigte Abzocke darstelle, mit denen z.B. youtuber wie unblogd, dessen Kanal gerade einfach auf youtube grundlos gelöscht wurde, ihre Zuschauer abzocken.

Sven Liebig spricht sogar von Millionen, die gewisse youtuber-Kreise angeblich verdienen, weil die Zuschauer so dumm seien, zu spenden. Vorab – dies ist blanker Unsinn.

 

Die Analyse

Nun, ich will eine sehr einfache Analyse aus Sicht des Konsumenten skizzieren – denn auf den kommt es beim Vorwurf der Abzocke ja an. Für beide Fälle gilt, dass vorher Arbeit geleistet werden muss für Recherche, Logistik, Technik, Videoschnitt (im Falle B) etc.. Für beide Fälle gilt die Konsumentensouveränität, d.h., der Konsument entscheidet frei, was er konsumieren will, anders als bei der GEZ-Gebühr. Beide Anbieter haben durch ihre Existenz im Internet einen werbenden Effekt.

 

Nun, in welchem Fall stellt sich der Konsument besser?

 

Der Konsument im Fall A

In Fall A muss der Konsument erst zahlen, bevor er den Inhalt sehen und bewerten kann, er hat also ein ökonomisches Risiko (wenn auch in diesem Falle ein Geringes). Ggf. ist er mit der Leistung nicht zufrieden, hat aber bezahlt. Dies nennt sich Wirtschaften unter Unsicherheit. Er kann, ist er unzufrieden, nicht zurückfordern. Der Preis ist durch den Anbieter vorgeben. Der Konsument kann sich nur auf den guten Ruf des Anbieters verlassen und kauft ein bißchen „die Katze im Sack“. Ich sage hierzu nur „Relotius“.

 

Der Konsument in Fall B

Im zweiten Fall kann der Konsument kostenlos die volle Leistung nutzen. Er hat kein Risiko, denn auch wenn die Qualität seinen Erwartungen nicht entspricht, hat er zu diesem Zeitpunkt nichts bezahlt. Nach dem Konsum kann er frei entscheiden, ob er einen Betrag spendet. Er kann also zwischen 0 und x wählen, könnte also auch einen qualitativen Inhalt wenn er knapp bei Kasse ist kostenlos konsumieren und zwar immer wieder. Entscheidet er sich zu spenden, so hat er zudem die Kontrolle über Zeit , Frequenz und Preis. Er kann also entscheiden, wann er wie oft in welcher Höhe für die Leistung „bezahlt“. Er zahlt also genau in Höhe seiner Zahlungsbereitschaft, er muss nicht fürchten mehr zu zahlen, als er für die angebotene Leistung z.B. schlechterer Qualität als erwartet bereit wäre zu zahlen wie in Fall A.

 

Zusammenfassung

Der Konsument stellt sich im Falle B, selbst wenn es einen qualitativen Unterschied zur mainstream-Presse geben sollte, immer besser. Der Vorwurf der Abzocke ist daher völliger Unsinn, weil der Konsument in allen seinen Entscheidungen frei und vorab bestens informiert ist.

Vorwürfe wie von Sven Liebig, selbst wenn sie wahr wären, sind irrelevant, weil der Konsument sich besser stellt und immer die volle Kontrolle hat – er muss ja nicht konsumieren. Sollte ein youtuber dabei wirklich reich werden, was vielleicht bei einem Millionenpublikum gelingt, hat der Konsument keinen Schaden erlitten.

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel für meine Kritiker: Eine online-Zeitung stellt ihre Artikel auch komplett frei ein, genau wie im Fall B. Hierzu ist zu sagen, dass dies nur möglich ist, wenn anderer Stelle Geld verdient z.B. über Anzeigenschaltung oder dass der Staat mitsponsort. Dies kann sich ein großes Haus leisten z.B. als Werbemaßnahme, um später Premiumcontent zu verkaufen – ein kleiner youtuber kann dies kaum, da seine Existenz von seiner Arbeit abhängt. Und selbst wenn der Konsument immernoch nicht nicht spenden will, so stellt er sich keinesfalls schlechter. Er hat den einen doppelten Nutzen durch 2 Leistungen von zwei Anbietern erlangt, niemand zwingt ihn zur Zahlung und zum Konsum. Zudem hat er den Nutzen der Meinungsvielfalt erhalten, kann vergleichen, sich besser seine eigene Meinung bilden. er hat also einen Nutzen über die Artikel oder Videos hinaus.

 

Das moralische Argument

Wenn jetzt Leute hingehen und sagen, man dürfe mit dem idealistischem Kampf kein Geld verdienen, dies wäre unrecht, so ist dies eine moralische Entscheidung des Einzelnen, die er anderen aber nicht aufzwingen darf.

Unmoralisch ist es für mich persönlich, anderen für Ihre Arbeit ein Einkommen absprechen zu wollen. Und zudem unbewiesen zu behaupten, es würden Millionen verdient, während man selbst mit seiner Firma an „Patrioten“ Merchandise verkauft und selbst ganz selbstverständlich Einnahmen erzielt. Das ist Heuchelei.

Es ist auch für den Konsumenten schlecht, denn wenn der Medienmacher seinen Lebensunterhalt nicht finanzieren kann, so kann er auch keine Leistung mehr erbringen, weil er dann seine Zeit für eine andere Arbeit aufbringen muss, was den interessierten Konsumenten den Nutzen schmälert und die Meinungsvielfalt verringert.

In meinem Beispiel habe ich gezeigt, dass der Vorwurf der „Spendenbettelei als Abzocke“ nicht haltbar ist. Im Gegenteil, er treibt einen Keil zwischen Lager, die eigentlich auf der selben Seite stehen sollte.

Bitte teilt dies zur Aufklärung, danke. Und kommt in meine telegragruppe: t.me/einsamerwanderer2019

 

Quellen:

https://www.welt.de/weltplus/

https://www.bild.de/bild-plus/sport/fussball/fussball/mario-goetze-zu-hertha-bsc-entscheidet-am-ende-seine-frau-ann-kathrin-66787126,view=conversionToLogin.bild.html

 

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