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Neue Serie „retroactive“ Teil I: Gedanken zum Weihnachtsfest vom 20.11.1994

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Liebe Leser,

heute starte ich eine neue Serie – „retroactive“. Beim letzten Umzug habe ich Texte aus meiner Jugend gefunden, die bisher nur in Papierform existieren. Ich werde sie nach und nach abtippen und veröffentlichen, entweder als Text oder Video. Ich werde sie, bis auf Absätze und Zeichensetzung, nicht verändern.

 

Sie kommen durch die Zeit zu euch, pur und unverfälscht. Mag sein, ich würde heute manches differenzierter sehen oder ausdrücken, oder vielleicht anders denken. Dennoch zeige ich euch, wie ein Jugendlicher einst gedacht hat.  Wir sollen sehen, ob die Texte heute, nach 25 Jahren des Ruhens in einer alten Mappe, noch ihre Wirkung entfallen können.

 

Gedanken zum Weihnachtsfest

 

Weihnachten.

Oft das „Fest der Liebe“ oder die „Zeit der Besinnlichkeit“ genannt. Schon einige Wochen vorher werden wir, wie jedes Jahr, alle mit lustigen Weihnachtsmännern und Adventskalendern darauf eingestellt. Die Reklamen für Weihnachtsgeschenke oder andere, alltägliche Konsumgüter, die mit Hilfe des Weihnachtsfestes attraktiv gemacht werden, laufen schon auf Hochtouren, noch bevor der 1. Advent ins Land gegangen ist.

Schließlich, am ersten Dezember, ist es dann soweit; Ist der Startschuß für das größte Geschäft des Jahres endgültig abgefeuert: Man wirbt, kauft, verkauft. Kurzum, das Geschäft floriert. Wie jedes Jahr.

Fast alle in der Gesellschaft passen sich diesem Trend an. Man übertrumpft sich sogar förmlich teure und immer teurere Geschenke zu kaufen und zu horten. Die Fernsehwerbung zeigt uns, wie man den Weihnachtsabend richtig gestaltet: Mit gewissen Süßigkeiten, die alle Kinder angeblich haben wollen oder mit Kaffee, den die Gäste nur dann trinken, wenn der richtige Name einer gewissen Firma auf dem Etikett steht; Oder mit Alkohol, der sich „Christkindel“ nennt. Weihnachten als lukratives Geschäft.

Und wo bleibt die sogenannte „Zeit der Besinnung“?

Spätestens Heiligabend sieht man es: Zufälligerweise sind die Kirchen, die sonst so gut wie leer sind gerammelt voll, man spendet sogar etwas und Einige geben sich das Gefühl, ihre Wohltätigkeit für dieses Jahr vollkommen ausgeschöpft zu haben. Dabei dient der alljährliche weihnachtliche Kirchenbesuch oft nur noch als Mittel zur Prestige-Erhaltung. Das Gesicht ist wieder einmal mit einer Maske  aus gespielter Menschlichkeit bedeckt, die zu Hause abblättert wie alte Farbe. Man zeigt den neu erworbenen Pelzmantel oder kann mit Bestimmtheit sagen: sehr her. Ich war dort in der Messe, ich bin ein Christ.

Wo fängt Weihnachten an, wo hört es auf?

Geht es dem Obdachlosen am Straßenrand besser, weil einmal im Jahr für ihn gespendet wird? Wo bleibt das wahre Weihnachten, die Zeit der Nächstenliebe, der Fürsorge und der Liebe? Verkauft? Verspielt? Verpfändet? Wo ist das Weihnachtsfest, das beschauliche mit Plätzchenduft und Kerzenlicht. Anscheinend gehören Bescheidenheit und offene Augen wohl heute leider nicht mehr dazu.

Der Herr Jesus, wenn es ihn wirklich einmal gegeben haben sollte, wie ich selbst glaube, würde sich, könnte er das heutige Weihnachten sehen, sicher im Grabe umdrehen. Denn auf dem Fest seiner Geburt sind seine Thesen leider kaum vertreten.

Das wahre Weihnachten lebt nicht von Geschenken, nicht von Protz und Prunk. Das wahre Weihnachten lebt auch nicht im Volumen der Geldbörse. Sicher, auf Geschenke muß man deswegen nicht verzichten. Das soll nicht verlangt werden. Aber man sollte sich doch jedes Jahr der eigentlichen Weihnachtszeit bewußt sein, nein sie bejahen und nutzen. Das wahre Weihnachten kommt nicht aus dem Kaufhaus, nicht aus dem Sonderangebot, sondern aus dem Herzen. Wer das begriffen hat, der sollte danach handeln. Und wenn mich nun jemand fragt, weil ich ihn mit meinem Text verwirrt habe, wann denn nun Weihnachten eigentlich sei, so würde ich ihm antworten:

 

Das wirkliche Weihnachten, also die Praktizierung der Nächstenliebe, sollte das ganze Jahr lang andauern.

 

Einsamer Wanderer, 20.11.1994

 

 

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