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Bericht zur Demo vom 23.05.2020 am Waterlooplatz (Wir wachen auf Hannover)

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Sonne und Regen

Bei regnerischem Wetter fanden sich am 23.05.2020 auf den Wiesen am Waterlooplatz anfangs nur wenige Menschen zum Protest gegen die aktuellen Freiheitsbeschränkungen ein, die vom Team von „Wir wachen auf Hannover“ organisiert wurde – danke an dieser Stelle. Und gleich ein Hinweis: bitte meldet euch als Ordner! Es tut nicht weh ich mache das auch.

 

Jedenfalls flammte Enttäuschung auf, und ich brummelte bereits etwas wie „Schönwetterdemonstranten“ in mein Tuch – doch ich sollte mich irren. Der Tag wurde noch spannend.

 

Anfangs stand ich unter den Bäumen weil es schüttete, ging aber auch herum – und was mußte ich sehen? Ein schwarzvermummter Antifablock am Rand! Und im Rücken der Besucher ebenfalls einige, die da herumlungerten. Die behielt ich im Auge. Das konnte ja heiter werden.

 

Die Orga bemühte sich trotz des Wetters Stimmung zu schaffen und die Leute Aufs Feld zu locken. Und das Wetter gab nach und zeigte die Sonne und ja, der Platz füllte sich im Laufe der Veranstaltung! Es gehe davon aus dass mit Zuschauern ca. 600 Menschen da waren – was ich als Erfolg werte. Dies zeigt sich auch im Wachstum der Telegramgruppen, dem neuen „Westfernsehen“.

 

Das Programm

Das Programm lief wie immer – Redner und Menschen aus der Bevölkerung als auch Sänger und Musiker traten nach vorne. Kreative Plakate etc. waren zu sehen.

 

 

Für jeden war etwas dabei, und auch etwas nicht dabei, aber genau das ist eben die Vielfalt der Meinungen, die die Demos von „Wir wachen auf Hannover“ kennzeichnet  – die Menschen dort kommen aus allen apolitischen oder politischen Kreisen, die Kundgebung selbst ist überpolitisch – und genau das braucht es, um zusammen zukommen und sich endlich auszutauschen fernab der Scheuklappen, die man uns antrainiert hat.

 

Ich selbst bin auch keiner Partei zugehörig und sehe mich als kritischen Geist, der Dinge von links, rechts und der Mitte in sein Denken einbringt. Und dazu ist die Demo auch gut – sprecht doch miteinander auf Augenhöhe und ohne gleich zu werten. Das ist schwer aber es lohnt. Sucht die Gemeinsamkeiten, nicht die Unterschiede!

 

Besonders gefallen hat mir jedenfalls der Gesang und der Auftritt der Rapper und die Menschen die mir mit einfachen Worten positive Emotionen gaben – wo ich konnte habe ich mich dafür bedankt. Was ich an Videos finde oder man mir schickt, verlinke ich gern unten.

 

Vermummte in schwarz

Leider gab es einen sagen wir „Zwischenfall“ namens Antifa – diesem will ich heute Raum geben, um Neulinge aufzuklären.

 

Die schwarzgekleidete Meute stürmte über das Flatterband hinweg den Platz (was nicht erlaubt ist), schrie und brüllte (das Übliche: “halt die Fresse”, “es gibt kein Recht auf Nazipropaganda”, “alle zusammen gegen den Faschismus” etc. gääähnnn), und ließ laut Musik und Sirene erschallen mit dem klaren Ziel, die Kundgebung zu stören (was nicht erlaubt ist), zu behindern oder zur Aufgabe zu zwingen. Und zeigten Transparente.

 

Das nennt die HAZ übrigens „Aktivisten“.

 

Aktivisten?

Ich definiere das anders: Das sind Menschen, die anderen vorsätzlich die Grundrechte entziehen wollen bzw. es auch tun. Die, in schwarzer Vermummung, also einer Terrorfarbe, friedliche Familien in friedvollem Protest auf ihren Decken in Furcht versetzen. Die hohe kriminelle Energie wird glaube ich besonders beim Einsatz der lauten Sirene und dem Stürmen des Platzes deutlich.

 

Für diese Leute sind alle mit einer anderen Meinung Faschisten. Sie teilen die Welt in gute überlegene Menschen bzw. Antifas und minderwertige Faschisten, denen man das Grundrecht enziehen darf. Diese Leute hätten beim Österreicher beim Armheben in der ersten Reihe gestanden und alles mitgemacht. Aber sie merken es nicht das sie selbst sind, was sie vorgeben, zu bekämpfen. Welch traurige Ironie.

 

Feinde der Demokratie, anders mag ich es nicht sagen.

 

Und ja, ich werte: Verblendete Sprechpuppen. Ich sah welche die liefen mit „Kein Mensch ist illegal herum“ frei nach dem Motto „das sind Nazis und das passt immer“. Oder sprachen per Lautsprecher von Judensternen mit denen man die jüdischen Opfer des Regimes verunglimpfen würde – nur das niemand auf der Demo so etwas trug. Man konnte auf einem Transparent auch lesen: „Wer mit Nazis demonstriert, hat nichts kapiert“. Nur dass keine Nazis, sondern Familien anwesend waren. Und Menschen mit Migrationshintergrund. Es war einfach lächerlich und peinlich.

 

Entweder, diese Menschen sind völlig verblendet und verblödet – oder um einen für viele provokativen Gedanken einzuwerfen – werden dafür bezahlt. Denn es macht nunmal keinen Sinn, eine Gegendemo gegen Nazis zu veranstalten, wenn keine Nazis da sind. Diese Tatsache ist so offensichtlich, dass man daran fast nicht vorbeisehen kann.

 

Und selbst wenn es eine Nazidemo wäre – Grundrecht ist Grundrecht. Punkt.

 

Aber es ist dann sinnvoll, wenn man den Menschen, die sich gegen ein (entweder existentes oder entstehendes – das kann sich jeder selbst aussuchen) diktatorisches Regime auflehnen, durch Druck zum Schweigen bringen will. Sozusagen die inoffizielle Söldnertruppe des Staates? Ich weiß, diese Worte werden manche verschrecken, aber wie sonst kann man diese Verhalten erklären? Ich kann es nicht. Ich gebe mich der Spekulation hin.

 

Unsere Furcht muss schwinden

Daher noch ein paar Worte an alle, die in Furcht sind und jetzt die Dinge erkennen müssen, die ihnen bisher verborgen waren, weil sie erst jetzt zu Demos gehen und durch Corona zu neuer politischer Erkenntnis gelangen: Habet Mut!

 

Jeder muss, gerade wenn er Kinder hat und alt und krank ist etc., diese Entscheidung für sich selbst treffen, das ist klar. Aber eigentlich dürfen wir uns dem Druck nicht beugen. Wir müssen für unsere Freiheit kämpfen und dürfen hier keine Furcht zeigen. Dazu müssen wir das Gefühl von Sicherheit schaffen. Eigentlich war diese durch die Polizei ja gegeben.

 

Strategien

Dennoch folgende Gedanken:

 

Zum einen müssen wir uns alle als Ordner melden. Je mehr Ordner desto mehr Teilnehmer gelangen zu uns hinein. Bis die Masse so groß ist, dass nicht wir, sondern die Angst bekommen. Bis diese Antidemokraten wissen: Hier steht die Masse der Bürger, und sie nimmt nicht hin, was passiert. Und im gewaltfreien Sinne:

 

Wehrt euch! Laßt nicht zu, dass man euch Angst macht und euch eure Rechte nimmt. Leistet Widerstand! Seid stark! Haltet zusammen!

 

Dann fordere ich die starken Männer und Frauen auf: Zeigt dass ihr die anderen schützt. Nehmt den Kindern und Familien die Angst. Mein Vorschlag: Stürmen diese Leute nächstesmal wieder die Demo, so sollen alle wehrhaften Menschen als Zeichen eine lange Kette zwischen uns und den anderen bilden und die Arme verschränken und schweigen. Oder ein Friedenslied singen. Eine Mauer der Friedfertigen. Ich gehe davon aus, dass dies wegen des Polizeischutzes unnötig ist, zeigt aber unseren Mut.

update: Die Orga hat sich gegen die Kette entschieden.

Dies dient dazu ein Zeichen zu setzen, nicht aber, eine Eskalationsspirale in Gang zu setzen. Ich spreche hier von einem gewaltfreien Zeichen – einer Mauer gegen die Angst – wir dürfen uns nicht provozieren lassen zur Gewalt. Aber wir dürfen zeigen, dass wir keine Furcht haben und uns verteidigen würden. Diesen Vorschlag stelle ich zur Diskussion nutzt den chat wenn ihr mögt.

 

Vielleicht mag die Orga dazu etwas sagen – es ist ein Vorschlag, mag sein  manchem kommt das übertrieben vor, ich aber sage: Die Spielregeln haben sich seit gestern geändert. Wir sollten uns aber nicht auf deren Spielregeln einlassen, weil die Antifa dann den Ton angibt. Verhalten wir uns proaktiv, ist die Überraschung bei den sogenannten Aktivisten ggf. groß. Wir sind die Spielmacher, nicht die Antifa! Trifft der Vorschlag auf Zustimmung dann könnte man einen Teil der Ordner briefen, dies zu organisieren. Ich bitte um feedback dazu!

 

Drittens: Organisiert die An- und Abreise in Gruppen – geht in größeren Gruppen – bisher gab es keine Gewalt gegen Teilnehmer, aber es liegt, wie man an Stuttgart sieht, im Denkbaren, so ungern ich das sage. Habt keine Furcht, aber seid achtsam.

 

Die Polizei reagiert – eine positive und negative Kritik

Das Schöne an der Sache: Unsere Seite blieb friedlich, wir stimmten ein „Gemeinsam gegen den Faschismus“ an und luden sie zu uns ein und wünschten Ihnen etwas mehr Liebe. Die Antifa wird dies in der Masse allerdings nicht erreichen fürchte ich.

 

Die Polizei forderte nach ein paar Minuten die Antifa auf einen Versammlungsführer bekanntzugeben, ansonsten müsste die unangemeldete Versammlung beendet werden und sie mußten den Demoort in Richtung Kindergarten verlassen. Da ging es mit mir durch und ich rief „Da gehört ihr hin!“

 

Zudem war es der Antifa untersagt, ihre Musik auf maximal 65 db aufdrehen, sonst drohte die Beschlagnahmung der Soundanlage.

 

Die Polizei bildete eine Linie zwischen uns und der Antifa und kreiste diese soweit ich das sehen konnte auch ein. Ich persönlich lobe hier das Verhalten der Polizei zum größten Teil. Am Ende bedankten wir uns und übergaben Blumen.

 

Jetzt zum aber:

Die Reaktion dauerte mir zu lange. Die Strukturen und das Vorgehen der Antifa sind ja nun hinlänglich bekannt. Man ließ die Gegenseite erstmal toben und rufen und gab Ihnen Zeit und Raum, uns auszubremsen, vielleicht Deeskalationstaktik? Ich weiß es nicht.

 

Die meisten Antifas waren junge Menschen, ich nehme an daher rührt deren Naivität.  Dennoch war genug Böswilligkeit vorhanden. Sie schmuggelten sich auch auf das Gelände (was wegen der Beschränkung „ein Ordner 10 Besucher“ nicht erlaubt ist), auch als Ordner wie ich es gesehen habe.

Freund oder Feind?

 

Gut vielleicht gibt es einige, die wirklich zu uns wollten, ok, mag sein. Andere versuchten aber gezielt, heimlich das Flatterband zu überwinden und wurden von den Ordnern abgewiesen. Wie vielen es gelungen ist durchzukommen, weiß ich nicht. Die Frage ist: Warum tun sie das? Mit Sicherheit nicht aus lauteren Gründen. Ich persönlich hatte daher auf meine Tasche und den Generator ein besonderes Auge.

 

Interessant fand ich auch, dass bei uns pingelig darauf geachtet wurde, dass der Abstand eingehalten wurde und genug Ordner vorhanden waren, sonst durfte niemand mehr das Gelände betreten. Bei der Spontandemo der Antifa hat das niemand kontrolliert. Die hatten Narrenfreiheit. So geht es nicht, liebe Leute!

 

Dann wurden gezielt Fotos von den Antifa-Fotografen geschossen, also Nahaufnahmen einzelner Personen. Das ist sage ich mal, traurigerweise normal. Diese Fotos tauchen wenn man Pech hat auf Indymedia auf.

 

Ein Teilnehmer unserer Demo sprach  einen Polizisten an: „Der da hat mich eben direkt fotografiert, das darf der nicht! Bitte tun sie etwas!“ Die Reaktion des Polizisten war barsch, fast aggressiv: Er antwortet dem Mann, er solle den Mindestabstand halten und drängte ihn vehement einige Meter zurück. Das wars. Dieses Verhalten empfand ich als ganz ganz unangemessen. DSVGO gilt also für uns hier nicht.

 

Der positive Kern

Nun habe ich viel über die negativen Dinge gesprochen, und es erscheint mir wichtig, die positiven Aspekte am Ende hervorzuheben. Die Reden und die Musik waren voller Herzblut. Der einfache Mensch von der Straße überwindet sich und spricht aus was er denkt.

 

Familien und Kinder zaubern eine positive Atmosphäre, und dies gerade wird oft kritisiert und als zu friedlich und leise betitelt. Das sehe ich anders. Die andere Demo in Hannover hat aufgeben müssen. Wir sind noch da. Denkt mal drüber nach.

 

Und wir wachsen. Wir werden mehr. Unsere Präsenz wird, wenn sie groß genug ist, nicht mehr im ARD oder ZDF verschwiegen werden können. Die alternativen Medien pushen uns. Auch die bewußt gezeigten Bilder von Nazis, die man aus der Mottenkiste kramt um die Proteste zu verunglimpfen, werden irgendwann nicht mehr funktionieren. Lügen haben kurze Beine.

 

Menschen, die ganz unterschiedlich sind, kommen zusammen. Man redet wieder zusammen und die aufgestellten rechts-links-Grenzen sind aufeinmal nicht mehr so wichtig, weil man sich ja sozusagen apolitisch trifft. Die Chance zum Austausch ist da und auch zu begreifen, dass nicht alle angeblich Linken oder angeblich Rechten (die ich garnicht gesehen habe auf der Demo) so böse sind, wie uns eingeredet wird.

 

Teile und herrsche ist ein altes Prinzip, und wenn wir uns zumauern und die Argumente der anderen nicht anhören, deren Ängste und Nöte, weil wir an Klischees glauben die man uns beigebracht hat, so kommen wir nicht voran. Öffnet euch.

 

Manche Reden und persönliche Gespräche gaben mir auch einen positiven Impuls, eine neue Denkrichtung. Ich lerne dazu. Verändere meine Weltsicht vielleicht. Wachse. Entdecke neue Perspektiven. Mag sein, manches mag ich nicht was ich höre, aber es geht ja nicht um Konformismus. Doch zehre ich die ganze Woche von der Kraft, die ich getankt habe.

 

Bis ich am nächsten Samstag wieder da stehe. Für mich, für alle die ich liebe, und für die, dich noch schlafen und mich dafür verdammen mögen.

 

Habet Mut!

 

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6 comments

  1. es sollte Schutzkette heißen. dämliches wortfindungsprogramm

  2. dein Bericht ist sachlich und emotional sehr ausgeglichen. Ich bin sehr dafür nicht nur flowerpouwer darzustellen, sondern besonders Stärke, Kraft und Zusammenhalt zu zeigen. die Idee der Schutzrechte würde i h dahingehend verbessern: wir nehmen kurze Stricke, Stoffstreiffen als Verbindungen in die Hände. Damit ist die Mauer deutlicher. koch bringe gerne so etwas mit und Ende mich ebenfalls als Ordner an. Bis Samstag

  3. Wirklich sehr sehr gut Dein Bericht über die Demo Gestern!!! Bin völlig deiner Meinung. Auch das Verhalten der Polizei gegenüber der Antifa anfänglich fand ich Gestern nicht in Ordnung. Die Polizei hat nicht schnell genug reagiert, und damit den dummen jungen Menschen zu viel Raum und Zeit gegeben sich zu präsentieren.
    Aber sonst war es Gestern, von allen vorangegangen Demos, die entspannteste, war mein Eindruck.
    Ich glaube auch die nette Polizei kennt uns inzwischen gut und weiß das es bei uns friedlich zugeht.
    Vielleicht wacht die Polizei in Hannover ja auch langsam auf.
    Viele Grüße
    Dieter

    • Wie sehr dieser Artikel die Realität verzerrt, ist wirklich fast zum Kotzen. Antifaschistische Fotograf*innen könnten Fotos von Personen machen, die bereits als Teil der rechten Szene bekannt sind und dort teilweise sogar den Ton angeben. Auch wurden anschließend Jugendliche Gegendemonstrant*innen von kleinen Gruppen mehrfach bedrängt und beworfen. Dabei haben sie lediglich versucht, mit Sprechchören und Musik etwas zu übertönen. Das finde ich unverhältnismäßig. Übrigens gab es wieder Menschen, die übers Mikro gesprochen haben, und klaren Antisemitismus in Form von Verschwörungstheorien verbreitet haben. Soziale Ungerechtigkeit gibt es durch die Maßnahmen – klar. Aber wer seine Wut auf die Straße trägt indem man mit Nazis demonstriert – hat nichts kapiert.

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