Erkenne die Zeit

 

In alter Tiefe glimmt ein Funke

still, unscheinbar und fast verdrängt

mehr schwaches Licht als wahres Feuer

im gestern nahezu versenkt

 

Doch kommt die Zeit, so muß er wachsen

muß lodern, leuchten blitzesschnell

zur all‘ verzehrend Flamme werden

muß rasen, tosen leuchtend hell

 

Zerstören was im Wege steht

dem Manne seinen Sturm darbringen

der vorher bösen Wind gesäht

das Unrecht brennend niederrringen

 

und sich dann wieder niederlegen

so wie ein Hund bei seinem Herrn

und Stück um Stück zum Funken schwinden

wohl wissend: Er kann wiederkehr‘n

 

Wanderer, 09.01.2018




Die, die aus der Ferne kommen

 

Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Hause. Aber er hatte kein Brot. Da sah er einen, der hatte Brot. Den schlug er tot. / Du darfst doch keinen totschlagen, sagte der Richter. / Warum nicht, fragte der Soldat.

Wolfgang Borchert (1921-1947)




Herbstrauschen

Herbstes Hauch rauscht im Walde

Und die Blätter leuchten im Holz

Drehen sich leise, sinken zur Erde

Brennen im Auge in buntestem Stolz

 

Jeder Tritt birgt ein Rascheln

Und ein Wispern und Flüstern dazu

Selbst die Bäume raunen vom Sommer

Aber trotz allem – ich fühle Ruh´

 

Wanderer, 31.10.1999




Gewitterregen

Die Glut des Tages ist verloschen

Gewitterregen tränkt das Land

Noch schläft die Wärme in der Erde

In Wiesen, Feldern und im Sand

 

Und in der Dämm´rung feuchter Schwüle

Hängt Dampf nun über´m heißen Grund

Zuviel der Sonne Hitze ruhet noch darinne

In dieser Sommerabendstund´

 

Wanderer, 22.6.2000




Metropolis

Es lebt ein Herr in Metropolis

Er herrscht über viele Maschinen

Er bringt das Licht in die Finsternis

Und alle müssen ihm dienen

Die Stangen und Räder müssen sich dreh´n

Es pfeift und orgelt und raucht

Effizient funktionieren, niemals widersteh´n

Das ist es, was seine Metropolis braucht

Auch Chaplin arbeitet dort im Getriebe

Und ich, das hakende Zahnrad von nebenan

Es hämmert und klopft und dampft im Geschiebe

Und zeigt einer Schwäche, so ist er bald dran

Kosten senken und mit Fleiß optimieren,

das treibt die Feuer der Öfen an

dabei emsig in den Untergang marschieren…

ich weiß ich breche die Ketten und fliehe – irgendwann

Der Wanderer, 08.02.2010




Schreiben

Wenn mich jemand fragt

Was schreiben denn

Für mich bedeutet –

An einsamen Abenden

Greife ich mir einen Stift

Und heimlich, wenn niemand schaut:

Webe die Seele in das Papier

 

Wanderer, 18.11.1999




Towers of Babylon

I walked through my city
But noone spoke my language
I was a stranger here

-Towers of Babylon-

26.06.1999