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Sieferle und der Spiegel

Im September 2016 nahm sich der Historiker Rolf Peter Sieferle das Leben. Er hinterließ eine Essaysammlung mit dem Titel „Finis Germania“, welche der Antaios-Verlag veröffentlicht hat.

Seit vielen Jahren veröffentlicht das Branchenblatt „Buchreport“ zusammen mit dem Magazin „Der Spiegel“ eine wöchentliche Bestsellerliste für Belletristik und Sachbücher. Auch Sieferles Werk fand hier und auch bei anderen Plattformen Zugang – die genauen Zusammenhänge der Nominierungen, personeller Konsequenzen etc. spielen für diesen Artikel hier aber keine Rolle.

Der Interessierte Lesermöge sich selbst unter dem link informieren.

Dort rangierte das Buch auf Platz 6 der Bestsellerliste. Bis man sich beim Spiegel entschloss, dieses unerwünschte Ergebnis zu korrigieren und schwupp – war Platz 6 erst leer, dann durch ein anderes Buch gefüllt.

Warum, sagt uns die stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer: Sie betrachtete das Buch als „rechtsradikal, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch“ und da sich der „Spiegel“ auch „bei historischen Themen als Medium der Aufklärung“ sieht, wolle man den Verkauf eines solchen Buches nicht befördern. Ob diese Meinung zutrifft, ist hier nicht von Belang und soll hier nicht behandelt werden.

Das was hier passiert ist, bezeichne ich als „Betreutes Denken“.

Beim Spiegel scheint man etwa Folgendes im Kopf zu haben:

„Wir, lieber Leser, wissen was gut für dich ist. Wir wissen, wie die Welt sein muß. Wir kümmern uns darum, dass du nur das Richtige liest. Alles andere wäre ja schädlich für Dich und die Welt. Du brauchst nicht selbst zu entscheiden, dass übernehmen wir gerne für dich.“

Das ist das Gegenteil einer neutralen Berichterstattung. Es läßt mich, den Konsumenten, als kleines dummes Kind zurück, welches erzogen werden muß und keine eigenen Entscheidungen treffen darf. Es raubt mir die Möglichkeit, mein eigenes Urteil zu fällen.

Und der Welt, in der ich lebe, einen Kontext auf Basis eigener Erfahrungen und freier Entscheidungen zu geben. Es manipuliert die freie Meinungsbildung. Es verengt den Blickwinkel auf einen politisch festgelegten Kurs einiger selbsternannter Eliten, welche sich in Ihrer Hypermoral wälzen und sich gegenüber anderen für überlegen halten.

Das alte, deutsche Problem.

Und darüber hinaus verzerrt es die Fakten – denn eine „bestseller“-Liste bemißt sich eben am „selling“, also den Verkaufzahlen. Sind das etwa die fake news, von denen alle reden?

Ich möchte dem Spiegel und allen anderen „Leitmedien“, die sich als Hüter des Rechten und Wahren sehen, einen kleinen Rat mit Hilfe von Schiller geben:

„Sire, geben Sie Gedankenfreiheit.“

 

Der Wanderer

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