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Keine Ware für Rassisten – Edeka die Zweite (21.08.2017)

 

Vor kurzem schrieb ich über die Entfernung von Messern aus dem Markt eines Edeka-Sortiments zum Wohle der Kunden.

Doch Edeka kann noch mehr – in meinem heutigen Artikel geht es um pädagogisch richtiges Einkaufen bei Edeka. Oder auch „betreutes Denken“, wie ich es nenne.

Den Artikel kann man hier einsehen.

Doch worum geht es? Der Focus-Artikel fasst bereits im ersten Satz gut zusammen, worin das Anliegen der Macher dieser Aktion besteht:

„Die Supermarktkette Edeka hat genug von Rassisten. Und möchte mit einer einfallsreichen Idee zeigen, wie arm Deutschland ohne Vielfalt wäre. In einer Hamburger Filiale haben die Verantwortlichen kurzerhand die Regale ausgeräumt und statt der Produkte Aufsteller platziert.“

Im weiteren Verlauf, indem die die Entfernung von französischem Käse und griechischen Salatbestandteilen aus dem Mittelmeerraum beschrieben wird, werden auch die Schilder vorgestellt, die in den leeren Theken prangen. O-Ton des Artikels:

„“Dieses Regal ist ohne Vielfalt ziemlich langweilig“. Eine Fotostrecke zu der Aktion wurde online veröffentlicht. Die wurde schon tausendfach geteilt. So heißt es in der halbleeren Salat-Theke in Hamburg jetzt: „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen.“ Da müssen die Kunden wohl oder übel auf die Tomaten aus Spanien und die Oliven aus Griechenland verzichten. Die Käse-Theke ist gleich komplett leergefegt. In ihr steht ein Schild mit der Aufschrift: „So leer ist ein Regal ohne Ausländer.“ Käse aus Frankreich gibt es hier erst einmal nicht.“

Und weiter: „Mit der Aktion möchte Edeka Rassisten den Spiegel vorhalten und ihnen zeigen, wie leer die Supermarkt-Regale wären, würde man alle Produkte aus dem Ausland verbannen.“

 

Die Argumentation in dieser Edeka-Aktion ist derart abstrus, dass ich erst einmal versuche, der Logik des Artikels erst „mit schlichtem Geist“ zu folgen, und danach eine tiefere Interpretation wage.

Was also entnehmen wir der Aktion im Edeka als wesentliche Aussagen?

Erstens: Vielfalt ist das normative Heil Deutschlands, wie eingangs beschrieben. Dies ist ein gesetztes und nicht hinterfragtes Datum.

Nun soll die Aktion mittels leerer Regale zweitens zeigen, wie schlecht eine mangelnde Vielfalt ist. Diese Vielfalt ist scheinbar definitorisch mit ausländischen Produkten verknüpft. Schließlich steht auf einem der Schilder „So leer ist ein Regal ohne Ausländer“.

Offensichtlich fragt sich bei Edeka niemand, wie viele deutsche Käsesorten es gibt oder ob auch Bauern in Deutschland Tomaten anbauen. Oder wie viele Getränke aus Deutschland man in das leere, im Video gezeigte Regal stellen könnte. Oder ob es eine Menge verschiedene deutsche Weine gibt, die dort ebenso stehen könnten statt der französischen Äquivalente.

(Noch ein Gedanke am Rande:  Haben Waren eigentlich einen Anspruch auf Nationalität? Bei mir um die Ecke wird die Pizzeria von Türken betrieben. Und ein paar Orte weiter gibt es eine von Deutschen betriebene Pizzeria. Ist die Pizza dann italienisch oder nicht? Wie dem auch sei.)

Dies zeigt also: Per definitionem sind deutsche Waren oder das „Deutsche an sich“ für Vielfalt ungeeignet, es braucht also zwingend „nicht-deutsche“ Bereicherung, um das Ziel der Vielfalt zu erlangen. Deutsch ist allein ist als minderwertig anzusehen. Es muss zum guten Gelingen ergänzt und auf eine höhere Ebene transformiert werden.

Und scheinbar wollen Rassisten von heute ausländische Waren aus den Regalen verbannen – das ist jedenfalls aus dem letzten Satz „heraus zu interpretieren“. Diese Argumentation findet sich auch in anderen Quellen wie hier oder hier . Und irgendwie geht es die ganze Zeit darum, Rassisten und Fremdenfeinden den Spiegel vorzuhalten.

Was hat das Ganze mit Rassismus zu tun?

Rassisten sind laut diesem Artikel ersteinmal Menschen, die fremde Waren verabscheuen. Aha. Mir war bisher nicht bewusst, dass es Forderungen gegeben hätte, ausländische Waren zu verbannen oder dass Nazis keine Pizza oder Döner essen. Zumal Rassisten ja in meiner Welt nur einen marginalen Teil der Gesamtbevölkerung stellen, sodass deren Forderung mich ziemlich peripher berührt hätte.

Den Brückenschlag von Produkten zum Rassismus zu finden, ist mir in diesem Artikel nicht möglich. Dennoch: Auf einem der Schilder steht nicht etwa „So leer ist dieses Regal ohne ausländische Produkte“, sondern: „So leer ist dieses Regal ohne Ausländer“. Irgendwie geht es also doch um Menschen, nicht um Produkte.

Also interpretiere ich: Vielfalt ist per definitionem gut und überlegen, und wenn ich ausländische Produkte genieße, so muss ich auch offen für andere Kulturen sein. Am Besten auch in der Straße nebenan.

Erstens ein Kommentar zur viel besungenen Vielfalt: Hat irgendwer im Edeka sich die Frage gestellt, ob unsere überquellende Konsumgesellschaft, dieser totale, grenzenlose Konsum global und ökologisch so völlig kritiklos zu vertreten sind? Hat sich jemand die Frage gestellt, wieviel der globalen Ressourcen von den westlichen Nationen genutzt werden und wieviel vom Rest der Welt? Hat sich jemand die Frage gestellt, ob wir Erdbeeren im Dezember wirklich brauchen?

Oder was die globalen ökonomischen Folgen dieses „Konsum-Vielfalts-Ideals“ sind? Hat sich jemand gefragt, ob diese Vielfalt an Waren nicht dort am Besten aufgeboben wäre, wo Menschen hungern? Statt bei uns, der großen, großen Wegwerfgesellschaft?

Ist dieses kollektive „mehr mehr mehr“-Mantra eventuell verwerflich? Hat sich schon jemand gefragt, ob wir uns nicht auf etwas Demut besinnen sollten? Unsere Konsumideale vielleicht überdenken sollten?

Offensichtlich nicht.

Zweitens: Muss ich andere Kulturen aufgrund meines Konsums mögen? Nein, muss ich nicht. Ich kann auch Pizza essen und Italiener hassen, denn nur weil ich ausländische Waren konsumiere, muss ich den Hersteller nicht vergöttern.

Aber zum Kern: Eigentlich wissen wir ja alle, worum es bei dieser Aktion im tieferen Sinne geht: Deutschland und Europa müssen mit einer Vielfalt an Kulturen gesegnet werden, inklusive multikultureller Gesellschaft und dauerhafter, starker Einwanderung. Die Idee einer bunten Edeka-Theke wird auf eine moderne Industrie-Gesellschaft übertragen. Alles andere wäre Rassismus.

Das Leben kann so einfach sein.

Doch Obacht: Hat den Japanern, Chinesen, Isländern, den Ungarn oder manchen arabischen Staaten noch niemand gesagt, dass sie ziemlich rückständig sind? (Gut, den Ungarn wohl schon. Thanks EU.)

Schauen wir Japan einmal an: Ein massiver Import von Rohstoffen treibt dort die Industrie an, trotzdem ist Japan keine multikulturelle Gesellschaft. Sind Japaner jetzt weniger glücklich oder gar böse Rassisten?

Oder gibt es Statistiken bzw. eine handfeste Empirie, die anhand ausgewählter Kriterien beweisen, dass eine multikulturelle Gesellschaft allen anderen automatisch überlegen ist? Und warum brauchen die Palestinenser dann eigentlich einen eigenen Staat? Grenzen sind ja out, habe ich gehört. Die stören bei der Erstellung von „Multikulti“ doch eigentlich nur.

Oder hat jemand beispielsweise die Völker Europas befragt, ob sie alsbald die „totale Vielfalt“ im Lande haben wollen, weil Ihnen die unzähligen Völker und die Vielzahl der nationalen, regionalen und lokalen Kulturausprägungen langweilig und austauschbar erscheinen? Haben Sie Langeweile und Verzweiflung über ihre „unbereicherte Existenz“ geäußert?

Und wieder: Nein. Die hier propagierte Vielfalt ist nicht in Stein gemeißelt. Der Import fremder Produkte verpflichtet mich keinesfalls zu einer multikulturellen Gesellschaft, deren Ablehnung ja per se als rassistisch gebrandmarkt wird. Denn diese bringt auch großen Schattenseiten hervor, nämlich gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Konflikte. Und im Falle Europas im Kontext seiner Geburtenraten:

Das Verblassen der indigenen Kulturen.

Der Wanderer

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