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Sapere aude!

Einige Fragen an den geneigten Leser:

Würden Sie eigentlich eines morgens einfach ihre Tür öffnen, sie offen stehen lassen, auf die Straße gehen und fremde Menschen zu sich ins Haus einladen? Menschen, die Sie noch nie zuvor gesehen haben? Die sie überhaupt nicht kennen?

Würden Sie zu sich selbst sagen: „Denen da draußen, denen geht es viel schlechter als mir, diese Menschen können ab jetzt bei mir wohnen“? Würden Sie all jene, ungeachtet der Kenntnis ihrer Identität und des Fakts, dass viele nicht ihre Sprache sprechen und ihre Kulturvorstellungen nicht teilen, bei sich aufnehmen?

Würden Sie sich um sie sorgen und ihnen Geld in die Hand drücken? Würden Sie denjenigen die da kommen alles glauben, was sie Ihnen über sich selbst erzählen? Würden Sie jeden Tag noch mehr Leute in Ihr Haus einladen und bei sich wohnen lassen? Sie unbeaufsichtigt lassen?

Nein, dass würden Sie nicht! Es seid denn, Sie wären ein Idiot.

Ihre Lebenserfahrung würde Ihnen sagen, dass nicht alle Menschen im Herzen per se gut sind. Genau deshalb haben Sie ja auch Freunde, weil diese Menschen darstellen, denen Sie vertrauen können und die Ihre Werte im Wesentlichen teilen.

Und Ihre Freunde grenzen Sie ganz natürlich vom Rest der Menschheit ab. Daran ist nicht einmal etwas Böses, es ist einfach logisch. Auch wenn man im Laufe des Lebens neue Freunde hinzugewinnt wenn man offen ist, so ist es doch immer ein Auswahlprozess Ihrerseits, wer in den inneren Kreis eintreten darf und wer nicht. Und das ist auch gut so, ansonsten hätten Sie keine Kontrolle und kein selbstbestimmtes Leben.

Sie würden also ahnen, dass diese Entscheidung Ihnen und Ihrer Familie ein erhebliches Lebensrisiko bescheren würde. Diebstahl, Gewalt, Kulturkonflikte, all diese Dinge begleiten Menschen immer, sobald sie auf andere Menschen treffen. So ist das Leben und jeder weiß das. Man muss nicht sonderlich schlau sein, um dies zu erkennen. So ist der Mensch.

Zudem: Was würde der Rest Ihrer Familie dazu sagen? Würden Sie über deren Kopf eine solche Entscheidung treffen? Eine Entscheidung die Ihre Familie stark einschränken würde? Schließlich müssten Sie ihre Zimmer, ihre Spielsachen, ihr Essen oder das Geld mit den anderen teilen. Sie würden erkennen, dass Ihre finanziellen Ressourcen als auch der verfügbare Wohnraum knapp wären, und dass Sie Ihre eigene Familie dafür weniger pflegen und hegen könnten. Vielleicht könnten Sie für die Ausbildung Ihrer Tochter oder das Studium Ihres Sohnes kein Geld mehr aufbringen und deren Zukunft verändern.

Interessant wäre auch, was ihre Familie dazu sagen würde. Vielleicht würde sie Ihnen ins Gesicht sagen: „Ich als Dein Kind oder Partner bin doch wohl mehr wert als die dahergelaufenen Fremden!“ Das wäre sicherlich hart, vielleicht unethisch, vielleicht wäre es aus mancher Sicht unmoralisch, aber es wäre nachvollziehbar. Blut ist dicker als Wasser.

Würden Sie dann sagen: „Du bist nur einer der hier schon länger lebt als die anderen.“? „Und eigentlich gibt es so etwas wie Familie nicht.“

Gehen wir weiter in der Entwicklung in ihrem Haus:

Würden Sie vielleicht irgendwann darüber nachdenken, dass Sie Freunde haben, denen es auch schlecht geht und denen Sie nicht regelmäßig finanzielle Hilfe zukommen lassen, obwohl sie es nötig hätten? Würden Sie übrigens statt der fremden Menschen die gleiche Anzahl an Obdachlosen bei sich aufnehmen?

Nein? Warum nicht? Würden Sie die Sparbüchsen Ihrer Kinder plündern und sich verschulden und ihr Haus verpfänden, um das nötige Geld für die Versorgung der Fremden aufzubringen?

Wie würden Sie mit Kritik umgehen, wenn ihre Familie Ihnen ihr Missfallen kund tut? Würden Sie eines ihrer Kinder aus dem Haus werfen und den anderen den Mund verbieten? Würden Sie ihre Nachbarn meiden und schneiden, wenn Ihnen deren Meinung nicht gefiele und Sie überall als „böse Menschen bezeichnen“? Als Pack vielleicht? Was wäre wenn die Nachbarn auf die Einhaltung der Regeln in ihrem Wohngebiet pochen würden?

Würden Sie wenn Ihre Möbel beschädigt, Ihre Haushaltskasse geplündert und Ihre Tochter begrabscht würde, sagen: „Die meisten die hier wohnen sind aber friedlich; das ist nur eine kleine Minderheit, die dies tut.“ Und würden Sie dann einfach weitermachen?

Würden Sie zu ihrer Familie sagen „So etwas hat es schon immer gegeben. Das hätte auch jemand anderes Euch antun können, der nicht hier wohnt.“ Wenn Sie zehn Kinder hätten und eines würde zusammengeschlagen, würden Sie dann sagen: „Das müssen wir aushalten, damit es der Mehrheit besser geht! Wir dürfen jetzt auf gar keinen Fall pauschalisieren!“

Sicherlich wäre dass aus Ihrer Sicht eine mögliche Entscheidung wenn Sie das große Ganze ansehen, aber würde Ihr Familienmitglied genauso entscheiden? Wahrscheinlich nicht. Besonders dann nicht, wenn sie nicht wüssten, wer der oder die Übeltäter sind. Und es wieder und wieder passieren könnte.

Würden Sie eigentlich Tabletten aus einer 1000er-Packung zu sich nehmen, die ihnen eine bessere Gesundheit verspräche wenn man Ihnen sagen würde: „Eine der Tabletten ist tödlich, aber die meisten sind ok.“? Natürlich hängt dies von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft ab. Die meisten Menschen sind allerdings Risikoavers und würden davon Abstand nehmen. Und weiter: Würden Sie andere Leute dazu zwingen, Ihre Tabletten zu schlucken? Und ihnen bei Widerwilligkeit attestieren, dass sie nur „diffuse Ängste oder Vorurteile hätten“?

Warum tun wir uns so unendlich schwer damit, diese Dinge der Mikroebene auf das große Ganze zu übertragen?

Warum wachen wir nicht endlich auf und zählen eins und eins zusammen? Warum sollte etwas, was offensichtlich schon im Kleinen nicht funktioniert, auf der Makroebene erfolgreich sein? Wenn die Dinge so logisch und einfach sind, warum sperren wir uns dann anzuerkennen, wo die Probleme herrühren?

Warum sehen wir alles an, als wäre es eine Naturkatastrophe, die unabänderlich wäre? Die man aushalten müsse. Warum sagen wir nicht als Familienangehörige “das was Du machst ist Wahnsinn, wir gehen jetzt deinetwegen auf die Straße und versammeln uns gegen Deinen Kurs, hör` auf damit!“ Warum machen wir den Mund nicht auf und sagen klar wenn etwas falsch ist? Zumal wir dies mit Daten und Fakten belegen können.

Würden wir die oben genannten Dinge wirklich tun wenn wir eine Familie und ein Gewissen hätten? Nein, würden wir nicht.

Es sei denn, wir wären Politiker. Oder die schweigende Mehrheit. Sapere aude!

 

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One comment

  1. So aus der Seele gesprochen, danke

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