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Zuwanderungs-Taylorismus

Vor einigen Tagen erreichte mich wieder einer dieser typischen „Bitte mehr Zuwanderung, weil…“-Artikel, die in der Journallie ständig widerkehren und immer in etwa den gleichen Argumentationsfaden enthalten. Es ist Zeit für eine Gegenargumentation.

Den Artikel habe ich in Kürze zusammengefasst: Deutschlands Wirtschaft läuft wunderbar, das Land steht laut der Prognose des Chefvolkswirtes des Commerzbank kurz vor Vollendung der Vollbeschäftigung (wenn auch nicht in allen Regionen Deutschlands) und es besteht leider das akute Risiko, dass ein Arbeitskräftemangel eintreten wird. Also alles wie immer.

Dies begründet sich u.a. im „Pillenknick“ und der weiteren bisherigen demographischen Entwicklung, welche dazu führt, dass die „…heimischen Arbeitskräfte zunehmend knapp…“ werden.

Die (so lesen wir) Zuwanderung ausländischer Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland (warum eigentlich nicht aus der EU?) ist daher dringend notwendig, denn:

„Für eine starke Wirtschaft mit schrumpfender einheimischer Bevölkerung ist Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland eine Option. „Nur wenn es Deutschland gelingt, die vorhandene Fachkräftelücke schnellst- und bestmöglich zu schließen, können wir die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft auf dem derzeitigen hohen Niveau sichern“, heißt es bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.“

Florian von Hennet, Wissenschaftler der genannten Initiative, weiter: „Soll der Demografieeffekt auch in Zukunft durch Migration abgemildert werden, muss Deutschland eine offene und erwerbsorientierte Zuwanderungspolitik stärken“.

Und weiter heißt es:

„„Die nächste Bundesregierung muss das Einwanderungsrecht so modernisieren, dass es den Zuzug von gut ausgebildeten Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland erleichtert und durch vereinfachte Regelungen eine entsprechende Willkommenskultur signalisiert“, erklärt von Hennet. Deutschland müsse als weltoffenes Einwanderungsland ein attraktives Ziel für Fachkräfte sein.“

Damit wären laut Artikel fast alle Probleme gelöst. Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt:

Einen Teil der jetztigen Arbeitslosen könne man laut Text sicherlich durch Weiterqualifizierung in Lohn und Brot bringen, wenn auch nicht alle. Zudem wird auch kurz auf die erfolgte Zuwanderung eingegangen:

„Die Masseneinwanderung von Asylsuchenden seit 2015 hat den Unternehmen allerdings wenig gebracht, weil die meisten schlecht ausgebildet sind“, sagt Krämer. So hätten annähernd zwei Drittel der aus Syrien zugewanderten Menschen laut Ifo-Institut nicht einmal acht Jahre Schulbildung genossen. Diese Menschen könnten Deutschlands Fachkräftemangel nicht lösen.“

Aber auch hier wird uns durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Relativierung der Probleme angeboten: „ „Vorübergehend zunehmende Arbeitslosmeldungen von Flüchtlingen werden von der grundsätzlich guten Entwicklung kompensiert“, formuliert Enzo Weber, der im IAB den Forschungsbereich Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen leitet.“
Das Problem, welches ich (meines Zeichens selbst Ökonom) mit solchen wundervollen Prognosen oder Aussagen etablierter Wissenschaftler habe, ist das, was ich als Zuwanderungs-Taylorismus bezeichne.

Für alle Nicht-Ökonomen: Der Taylorismus stellt eine Form der wissenschaftlichen Betriebsführung dar, die den Menschen als reinen austauschbaren Faktor, als kleines, wechselbares Rädchen im Getriebe ansieht. Für den Taylorismus ist kennzeichnend, dass Effizienz und Produktivität den absoluten Focus bilden, der Mensch stellt nur einen technischen Faktor dar.

Das System führt zu einer „Entmenschlichung“ der Arbeit, einer Sinnentleerung, die Interessen des Menschen sind nur marginal berücksichtigt. Das Sinnbild des Taylorismus ist die dampfende, treibende Maschine, insbesondere das Fließband, an der der Arbeiter gleich einem Roboter schafft. Hierzu sei auch auf „Moderne Zeiten“ (Charlie Chaplin) oder das Gedicht Metropolis verwiesen.

Schon an der Wortwahl im Artikel („heimische Arbeitskräfte werden knapp“, „…Masseneinwanderung hat wenig gebracht…) wird ersichtlich, dass Menschen hier als technische Elemente der Industrie betrachtet werden. Wenn interne Faktoren knapp werden, müssen eben externe Faktoren zugeführt werden. So einfach ist Tennis.

Zudem ist das erklärte Ziel der Unternehmen, und damit Deutschlands, die „Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft“. Zuwanderung ist notwendig, um dieses ökonomische Ziel zu erreichen und negative ökonomische Effekte wie den Fachkräftemangel abzubremsen. Merke: Was gut für die führenden Unternehmen ist, ist gut für die Volkswirtschaft ist, ist wiederum gut für alle, so das Credo der Ökonomen.

Und genau diese Sicht ist grundfalsch und abstrahiert von der Wirklichkeit. All diese kompetenen Forscher rechnen dominant quantitativ, d.h. Arbeiter können jederzeit aus dem Ausland „zugekauft werden“. Bekomme ich beim Edeka keine Zitronen, hole ich mir sie eben beim Lidl. Ich nehme mir einfach ein paar Fachkräfte aus Übersee und bringe sie hierher. In der Sklaverei hat man nicht viel anders gedacht…

Menschen sind aber keine bloßen Nummern, keine blanken, unbeschriebenen Blätter, sie weisen eigene Motive auf und zudem „Eigenarten“. Diese Eigenarten kann man z.B. Sozialisation, Kultur, Bildungsgrad, Religiösität, Werte und Normen, durchschnittliche Intelligenz, Mentalität etc. nennen. Menschen haben auch ein Gefühl für Heimat und für Fremde, für Wurzeln und für Entwurzelung.

Menschen nimmt man nicht einfach und bringt sie von A nach B, weil man die Rentenkasse auffüllen möchte oder den ökonomischen Nutzen maximieren will. Das ist amoralisch. Menschen sind keine Waren, die man hin und her schiebt. Zudem: Wenn man z.B. Afrikas Fachkräfte absaugt, wie sollen sich diese Staaten, denen unsere Politik angeblich so gerne helfen möchte, entwickeln? Diese Doktrin hält andere Staaten ja in ihrem Status gefangen, wenn sie exzessiv betrieben wird.

Zudem: Die im Mainstream latent vertretende Ansicht, jeder könnte sich mit genügend Bildung und einem Job integrieren, ist völlig unrealistisch. Jeder, der sich nur etwas mit Kultur und Sozialisation auskennt weiß, dass solche Änderungen im Menschen, wenn sie überhaupt noch möglich sind, nur auf großen Zeitskalen möglich sind. Oder anders: Ich kann nicht einem Afrikaner einen deutschen Paß und einen Deutschkurs geben und erwarten, dies alles würde reibungslos funktionieren. Kultur ist behäbig. Das ist besonders dann problematisch, wenn grundverschiedene Kulturen und Religionen aufeinander treffen.

Und warum bestimmen eigentlich die wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen und Wirtschaftsforscher die Ziele für Deutschland und die Politik? Zur Erinnerung: Deutschland ist nicht nur eine Volkswirtschaft, sondern auch Gebiet eines autochtonen Volkes. Politik sollte zum Wohle des Staatsvolkes ersonnen werden, nicht für Unternehmen alleine.

Zudem kommen Aspekte wie Kultur, Historie, Tradition, Heimat oder Mentalität in der Argumentation der Ökonomen überhaupt nicht vor. Wenn es ökonomisch vorteilhaft ist, so können nach obiger Argumentation auch gerne 90% Zugereiste und 10% Deutsche im Staate leben. Auch wenn dies suksessive den Untergang einer Nation bedeutet, wie man sie bisher verstanden hat.

Was hier in Europa zur Zeit passiert, ist das größte soziale Experiment der Geschichte, auch social engeneering genannt (man google einmal danach). Eine solche Entscheidung für eine radikale Trendwende in der Politik kann nicht allein Unternehmen überlassen werden, sondern muss durch die Bürger der europäischen Nationen in freier Wahl bestimmt oder abgelehnt werden. Dass ein Interesse daran besteht, zeigt z.B. die Reaktion des ungarischen Staates unter V. Orban.

Hier wird eine grundlegende Sinnverschiebung deutlich: Für den Ökonomen ist Deutschland der Wirtschaftsstandort, nicht die Kulturnation. Eine Kulturnation, die langfristig schrumpft und stark wachsende fremde Bevölkerungen aufnimmt, wird irgendwann verschwinden. Der unpatriotische Ökonom dagegen sagt: Einer ist mir so gut wie der andere, solange alle arbeiten und ich den Gewinn maximiere.

Diese Sinnentleerung der Ökonomie hat ihren Ursprung sicherlich im Profitstreben vieler, denen Werte wie Heimat, Kultur oder Volk völlig abgehen. Aber auch in der Ausrichtung unserer Wissenschaft. Historisch gewachsen sind stark spezialisierte Fachdisziplinen, die sich nur noch um sich selbst drehen und die Vernetzung zu anderen Disziplinen ad acta gelegt haben.

Interessanter Weise wird die Masseneinwanderung seit 2015 als wenig effizient erachtet, weil eben keine Fachkräfte gekommen sind. Erstaunlich: Ich erinnere mich noch daran, wie Medien und führende Wirtschaftsvertreter als auch Politiker und die Bundeskanzlerin herself („Flüchtlinge…wertvoller als Gold…“ etc.) ständig von den vielen Fachkräften sprachen, die nun zu uns kommen würden.

Frau Nahles ernücherte uns später mit ihren Prognosen zur Arbeitsmarktintegration der Zugewanderten, und die Einstellungsquote führender DAX-Unternehmen sprach Bände. Dabei hätten unsere Spitzen der Gesellschaft dies auch vorher schon erkennen können (z.B. hier (Intelligenz) oder hier (Alphabetisierung)) oder hier (Beschulungsrate)).

Hierzu frage ich auch: Woher nimmt man überhaupt die Gewissheit, dass die Integrationsprobleme der Flüchtlinge im Kontext des Arbeitsmarktes von der Gesamtentwicklung kompensiert werden bzw. dass dies nur ein vorübergehendes Problem darstellt? Wir wissen aufgrund der Grenzöffnung ja nichteinmal mehr, wieviele Menschen wirklich zu uns gekommen sind. Die offiziellen Zahlen zeigen ja nur diejenigen, die sich registrieren ließen. Welchen Wert haben dann solche Prognosen?

Außerdem bedeutet diese Argumentation ja auch: Wenn es ein paar Millionen Menschen mehr schlecht geht, geht dies in Ordnung, solange es mehr dazugekommene Menschen gibt, die arbeiten und die Wirtschaft pushen. Man rechnet hier wieder Plus und Minus gegen – der Mensch an sich wird zur Zahl, dessen Unglück kalkulierbar ist, solange der Nutzen höher liegt – und zwar aus Sicht der Unternehmen.

Was ist eigentlich mit dem Familiennachzug? Die Bundesregierung rechnet, soweit ich weiß, mit einer Person Familiennachzug pro Flüchtling. Dies ist keineswegs realistisch. Auch diese Menschen werden sich kaum in den Arbeitsmarkt einbringen lassen aufgrund des Bildungsgrades etc..

Selbst wenn man all diese Menschen nachschulen könnte und sie sich perfekt integrieren würden, lägen die Investitionsksoten hierfür exorbitant hoch. Warum soll eine Volkswirtschaft einen solchen Irsinn finanzieren? Günstiger wäre es ja, das Geld lieber dort zu investieren, wo Sprache und Kultur nicht nachgeschult werden müssen, nämlich beim heimischen Arbeitskräftepotenzial. Das wäre ökonomisch weit sinnvoller.

Zumal die vorgerechneten Zahlenwerke nicht auf die großen sozialen Kosten (so genannte externe Effekte) eingehen, die auf die Bevölkerung, nicht aber auf die Unternehmen zukommen. Beispielhaft seien hier höhere Ausgaben für die innere Sicherheit, den Wohnungsbau oder Sprachkurse genannt.

Oder anders gesagt: Man hat uns von Anfang an belogen und jeden, der mit Fakten argumentierte, „gehitlert“. Wenn sie heute zum wiederholten Male vom Fachkräftemangel lesen, lassen sie sich nicht mehr hinters Licht führen. (Dazu empfehle ich die Doku „das Märchen vom Fachkräftemangel“ hier)

Es wird Zeit, die Politik und Ökonomie endlich wieder zum Nutzen des deutschen Volkes aufzustellen und nicht zum Nutzen einiger weniger. Das dies möglich ist, kann man am Chef von Trigema, Wolfgang Grupp, hier sehen. Zudem muss jedem Bürger klar gemacht werden, dass es für diese Massenmigration keine gesetzliche Grundlage gibt und unsere Bundeskanzlerin bis heute unser Grundgesetz bricht. Und die damalige Opposition diesen Rechtsbruch begeistert mitgetragen hat, statt ein Mißtrauensvotum zu stellen.

Wenn dies ein Großteil der Menschen verstanden hätte, wären wir heute ein Stück weiter.

 

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2 comments

  1. Wahre Worte! Um dies zu untermauern, möchte ich meine eigene Geschichte anführen. Ich habe eine erhebliche Menge Geld, ganz zu schweigen von Zeit und Mühen investiert, um auf zweitem Bildungsweg meinen Abschluss als Ökonom zu machen. Jetzt habe ich einen Master als Betriebswirt und trotzdem keine Arbeit. 250 Absagen in einem Jahr in einem wirtschaftlich starkem Raum wie Hannover. Begründungen waren immer rar gesät, im Konsens waren es Phrasen wie: mit Ende 30 zu alt, zu wenig Erfahrung, passt nicht ins Profile….usw.
    Wenn jemand, der etwas schaffen, etwas erreichen möchte und sich dafür finanziell und aus persönlicher Sicht stark belastet hat, scheinbar nicht in ein neues Arbeitsumfeld zu integrieren ist, wie soll es denn dann mit Personen realisierbar sein, denen ich an dieser Stelle einfach mal Defizite in den Punkten Eloquenz, Integrität und Motivation unterstelle. Man möge mir die Simplifizierung der Situation verzeihen, mir geht es nur darum zu verdeutlichen, dass laut Regierung und Medien eine Person mit mangelden Sprachkenntnissen und einer kulturell möglicherweise differenzierten Auffassung (in Relation zum Bundesbürger) welche zudem erst noch finanziert werden muss, scheinbar einfacher in den Arbeitsmarkt zu integrieren ist, als jemand der seine Bildung selbst finanziert hat und der wirklich sehr gerne arbeiten würde.
    Und ich entschuldige mich nicht dafür, dass mein deutscher Kleingeist dieses Paradoxon nicht entschlüsseln kann.

    • Lieber Nordwolf,

      diese Geschichte mit der ewigen Suche nach einem Arbeitsplatz ist mir bestens vertraut, bei mir war es genauso. Ich habe immer nach dem Motto gelebt:“Sei fleissig und gut und alles fügt sich.“ Ich mußte erkenen – nein, so ist es nicht immer. Mein Weg war hart, und ich sehe auch nicht ein, warum man Massen von Menschen ohne Qualifikation herholen sollte, um sie dann teuer auszubilden, während im Land hundertausende Arbeitslose sitzen. Mir sei erlaubt es schnöde zu sagen – das ist nicht ökonomisch. Es dient wohl vielmehr dem großen Austausch, der mitnichten ein Hirngespinst ist.

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